Aus: Ausgabe vom 13.06.2018, Seite 16 / Sport

Aus zwölf Schritten

Von André Dahlmeyer
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Der Name kann ja nicht immer Programm sein: The-Strongest-Fans

Einen wunderschönen guten Morgen! Der Club Deportivo Jorge Wilstermann aus Cochabamba hat mit 3:2 nach Elfmeterschießen gegen The Strongest aus La Paz das Torneo Apertura Boliviens gewonnen. Letztere hatten das Hinspiel in La Paz mit 2:1 für sich entschieden und die Cochabambinos mit demselben Resultat den Rückkampf in Sacaba (das eigene Stadion in Cochabamba war wegen der XI. Südamerikanischen Spiele belegt). So wurde ein Entscheidungsspiel an neutralem Ort ausgetragen, im Stadion Patria von Sucre.

Die erste große Chance hatte dort Pablo Escobar (The Strongest), Tormann Arnaldo Giménez war bereits ausgetrickst, doch dann verhedderte sich Escobar noch in der Defensive der Wilstermänner. Die gingen kurz darauf durch einen Kopfball ihres im gegnerischen Fünfmeterraum aufgetauchten Torjägers Gilbert Álvarez in Führung. Der Rückstand machte die »Tiger« ein bisschen wütend, sie attackierten von allen Seiten und kamen noch vor dem Seitenwechsel zum Ausgleich.

Gleich nach dem Aufweichen der Pausen-Cocablätter in den Backentaschen gingen die Roten von Wilstermann durch Serginho erneut in Führung, und nur den Klasseparaden des The-Strongest-Tormanns war es zu verdanken, das nicht schon bald die große Langeweile aufkam. Später hatte der »Tiger« dann mehr als einmal den Ausgleich auf dem Fuß, doch auch Giménez parierte in seinem Kasten wie ein junger Gott. Bis er rund zehn Minuten vor dem Abpfiff einen Freistoß von Rudy Cardozo nicht festhalten konnte, Maximiliano Ortiz den Fehler ausnutzte und zum 2:2 abstaubte.

So musste das Finale aus »zwölf Schritten«, wie man in Südamerika sagt, entschieden werden. Der siebte Strafstoß, getreten von Oscar Vaca, entschied die Meisterschaft zugunsten der Wilstermänner, die damit direkt für die Copa Libertadores 2019 qualifiziert sind, The Strongest muss sich in den Play-offs durchsetzen.

Auch in Kolumbien wurde die Meisterschaft, das Torneo Apertura der Liga Aguila, im Elfmeterschießen entschieden. 4:2 gewann Außenseiter Club Deportes Tolima im legendären Estadio Atanasio Girardot von Medellín gegen Kolumbiens Rekordmeister Atlético Nacional (16 Titel). Für die Weinrot-Goldenen war es nach dem Titel von 2003 erst die zweite Meisterschaft.

Die Underdogs aus Ibagué im Zentrum des Landes, dirigiert von Alberto Gamero, gingen in der 47. Minute in Führung. Der talentierte Mittelfeldspieler Sebastián Villa hatte Nacional-Kapitän Alexis Henríquez an der Außenlinie den Ball stibitzt und einen Schuss in Richtung Torgestänge abgegeben. Von Jorman Campuzano abgefälscht, fand die Kugel den Weg in den vom Argentinier Fernando Monetti gehüteten Kasten.

Der Treffer rüttelte den Copa-Libertadores-Gewinner von 2016 (dessen damaliger Tormann Franco Armani heute zum WM-Kader Argentiniens gehört) wach, und in der 65. Minute klingelte es endlich: Der 1,60 Meter große Flügelflitzer Vladimir Hernández verwandelte eine Flanke von Helibelton Palacios per Kopf zum Ausgleich. Da Nacional das Hinspiel in Ibagué mit 1:0 gewonnen hatte, ließ es die Zügel nun etwas schleifen, überließ den Ballbesitz den Weinrot-Goldenen. Keine gute Idee. Die Gäste zogen alle Register und hatten den Topfavoriten, der die Saison überlegen dominiert hatte, in den Seilen.

Auch die Einwechslung von Camilo Zúñiga (85.), dem Neymar-Verstümmler der vergangenen WM, nützte Nacional nichts. Drei Minuten später sah er Rot. Und während das ganze Stadion längst den 17. Stern feierte, wuchtete Verteidiger Danovis Banguero in der 93. Minute nach einer kurzen Ecke den Ball per Kopf zum 2:1 in die Maschen. Zum Helden des Kalkpunktballerns avancierte Tormanngigant Álvaro Montero, der zwei Versuche parierte.


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