Aus: Ausgabe vom 23.05.2018, Seite 16 / Sport

Aus der Lohnhärterei

Endlich mal Augenhöhe: Wird Waspo 98 Hannover deutscher Wasserballmeister?

Von Klaus Weise
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»Mit starken Auftritten«: Karsten Seehafer im Kreis der 98er, Oktober 2017

Mehr »Gipfel« und »Finale« geht nicht. Ab heute spielen die Wasserfreunde Spandau 04 und Waspo 98 Hannover im Best-of-Five-Modus um die 97. Deutsche Wasserballmeisterschaft der Männer. Statistisch sind die Randberliner klar im Vorteil. Seit 1979 haben sie 36 Titel gewonnen, die Niedersachsen nur einen, 1993 war das. In den vergangenen zwei Jahren aber haben die Hannoveraner das Kräfteverhältnis mit exzessiver Einkaufspolitik ausgleichen können. Aller Voraussicht nach werden die Endspiele ein Zweikampf auf Augenhöhe.

Hannover war um 2000 herum mit den späteren 04ern Marc Politze und Sören Mackeben schon mal in Wartestellung und hat die Rolle des Topherausforderers in jüngerer Zeit nun vom ASC Duisburg übernommen. 2017 und 2018 gewann Waspo den Pokal (2017 mit 9:4-Halbfinal-, 2018 mit 12:8-Finalsieg gegen Spandau), vor Beginn der laufenden Saison auch den DSV-Supercup (9:8 gegen Spandau). Und last but not least, weil entscheidend für den Heimbonus in der Endspielserie, gewannen die Schützlinge von Trainer und Topsponsor Karsten Seehafer (Geschäftsführer der Hanomag Lohnhärterei) die Hauptrunde. Wenn auch knapp, nämlich bei Punktgleichheit dank des um ein Tor besseren direkten Vergleichs (Heim-7:10 von Hannover, Heim-7:11 von Spandau).

Geht die Finalserie über die volle Distanz, spielt Waspo also drei Partien zu Hause, Spandau nur zwei. Aber das muss nicht viel heißen. Im 2017er Fnale machten die Berliner ihr 36. Championat auswärts perfekt. In der aktuellen Saison gab es bislang vier Duelle, in denen Hannover drei-, Spandau einmal gewann. Nimmt man den in Berlin ausgetragenen Supercup Ende Oktober und das Pokalfinale Anfang Mai aus Waspo-Sicht als Auswärtspartien, so gingen alle vier Partien an die Gäste.

Mit einer Zurückhaltung, die man von Waspo nicht gewohnt ist, blickt Coach und Sponsor Seehafer aufs Finale. »Selten ist die Konstellation so ausgeglichen gewesen: zwei Teams mit nationalen und internationalen Spitzenspielern, zwei Teams, die national kein anderes Team schlagen kann, zwei Teams mit starken Auftritten in der Saison« – zu erwarten seien »harte und emotionale Finals im Wasser, im Umfeld und in der Presse«. Das könnte man fast so übernehmen. Waspo-Präsident Bernd Seidensticker, Trainer des letzten Meisterteams von 1993 (mit Seehafer als Spieler) erklärte zur Rollenverteilung: »Wir sind nicht die Favoriten«, kehrte dann aber zurück zum Standardton: »Wir sind pfiffiger, taktisch mutiger und motivierter.«

04-Manager Peter Röhle hält dagegen, dass im Finale nicht der Glaube entscheiden wird, sondern die Fähigkeit, »den Kopf klar auszurichten, die vorhandenen Potentiale punktgenau abzurufen, körperlich und geistig frisch zu sein«. Spandau sei weniger auf individuelle Alleingänge ausgerichtet, weniger von der Form einzelner abhängig, nennt Röhle einen Vorteil. »Bei Hannover können Stars wie Brguljan oder Radovic an Toptagen vieles allein entscheiden, aber wenn es bei ihnen nicht läuft, kann auch der ganze Motor ins Stottern geraten. Das haben wir in der Vergangenheit schon mehrfach geschafft. Und das muss auch diesmal unser Ziel sein, ohne die eigenen Stärken zu vernachlässigen.« Das erste Finalspiel werde die Nagelprobe sein – und vielleicht schon den »Sound« der ganzen Serie bestimmen.


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