Aus: Ausgabe vom 17.05.2018, Seite 15 / Medien

Malusregel gefährdet kleinere Verlage

Lobbyverband will gegen Deal zwischen Pressegrossisten und Mediengiganten vorgehen

Von Dieter Schubert
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Hohe Kosten für kleine Stückzahlen: Lohnt sich Kioskverkauf für Zeitschriften bald nur noch für Bestseller?

Kleine und mittlere Zeitungs- und Zeitschriftenverlage befürchten von einer Malusregelung beim Grossovertrieb erhebliche wirtschaftliche Nachteile. Das berichtete das Branchendienst Meedia am Montag auf seinem Onlineportal. Den Deal hatten sieben Branchengrößen (die sogenannte Verlagsallianz, u. a. dabei: Axel Springer, Burda, Bauer, Spiegel) mit dem Bundesverband Presse-Grosso Ende Februar vereinbart. Demnach können jetzt die Grossisten höhere Vertriebsmargen von den Verlagen verlangen, falls Printprodukte bei Belieferung eines Einzelhändlers einen festgelegten Jahresumsatz unterschreiten. Zeitungen und Zeitschriften mit einer geringen Auflage droht dadurch über kurz oder lang das Aus.

Dem Bericht zufolge will sich der Arbeitskreis Mittelständischer Verlage (AMV) nun dagegen wehren. Die Lobbyorganisation habe deshalb beim Bundeskartellamt eine »Anfrage« eingereicht, um von der Bonner Wettbewerbsbehörde prüfen zu lassen, »ob die Neuregelung der Handelsspannen wegen diskriminierenden Verhaltens rechtswidrig« sei.

Im gesamten Printbereich herrscht wegen wegbrechender Auflagen und damit steigender Kosten praktisch dauerhafte Alarmstimmung. Wenn sich nun der Einzelverkauf vor allem für Zeitschriften über Kioske und Supermärkte – die von den jeweiligen Gebietsgrossisten beliefert werden – für die betreffenden Verlage durch die Malusklausel zusätzlich verteuert, können kleinere Anbieter auf Dauer nicht mehr mithalten. »Sowohl die Malusregel als auch andere Teile des Abkommens bevorzugen insbesondere die Titel der Verlagsallianz. Darüber hinaus wurden hier Kostenfaktoren zu Lasten Dritter verhandelt, die zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit hatten, Einfluss auf die Verhandlungen zu nehmen«, zitierte Meedia den AMV-Vorstand.

Die Allianz weist die Kritik zurück und bezeichnet das System als »diskriminierungsfrei und fair« gestaltet, auch für kleinere Verlage.

Der AMV wollte dem Bericht zufolge mit dem Grosso-Vorstand über »Verbesserungen für kleine Titel« verhandeln. Doch der habe dies abgelehnt. Daher schalte der Branchenverband jetzt das Kartellamt ein. Inwiefern das eingreifen wird, bleibt abzuwarten. In Deutschland ist der Einzelverkauf von Presseartikeln reguliert. Über die quasi monopolistisch agierenden Großhändler werden mehr als 50 Prozent der gedruckten Zeitungen und Zeitschriften vertrieben. Und weil der Staat dies gesetzlich geregelt hat, gelten Branchenvereinbarungen zwischen Presseverlagen und Grossisten als »privatwirtschaftliche Selbstregulierung« und bleiben vom Kartellverbot ausgenommen.


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