Aus: Ausgabe vom 17.05.2018, Seite 1 / Ausland

Krise nach Botschaftseröffnung

Vier palästinensische Diplomaten zurückgerufen. Guatemala weiht Vertretung in Jerusalem ein

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Der Präsident Guatemalas James Ernesto Morales Cabrera und Ehefrau Hilda Patricia Marroquin mit Benjamin Netanjahu und Sara Netanjahu bei der Eröffnung der Botschaft in Jerusalem am 16. Mai 2018

Nach der Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem hat die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) vier ihrer Botschafter aus europäischen Ländern zu Konsultationen zurückgerufen. Es handele sich um Diplomaten in Rumänien, Ungarn, Österreich und Tschechien, berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa am Mittwoch. Die PA in Ramallah begründete den Schritt mit der Teilnahme der Botschafter an der Eröffnung der US-Botschaft. Bereits am Dienstag hatte der palästinensische Präsident Mahmud Abbas den Vertreter in Washington zurückbeordert. Der Gesandte Hussam Somlot befinde sich auf der Heimreise, sagte Chefunterhändler Saeb Erekat im palästinensischen Fernsehen am Dienstag.

Guatemala hat unterdessen wie die USA seine Botschaft in Israel nach Jerusalem verlegt. Präsident James Ernesto Morales Cabrera nahm am Mittwoch persönlich an der Einweihung der Vertretung in einem Bürogebäude in Jerusalem teil, auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu war als Gast dabei.

Derweil spitzt sich die diplomatische Krise zu. Die türkische Regierung forderte nach dem israelischen Botschafter in Ankara auch den Generalkonsul des Landes in Istanbul zur Ausreise auf. Auch die Außenminister der arabischen Staaten beraten am heutigen Donnerstag auf einer außerordentlichen Sitzung über eine Reaktion auf die »illegale« Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem und die »israelische Aggression gegen das palästinensische Volk«. Das teilte die Arabische Liga am Mittwoch mit. Die Minister kommen auf Antrag Saudi-Arabiens in Kairo zusammen.

Indes sollen 20 schwerverletzte Palästinenser in Ägypten behandelt werden. Die Krankenhäuser hätten nicht genügend Kapazitäten für alle Verletzten der vergangenen ­Wochen, sagte Aiman Sahabani, Leiter der Notaufnahme im Schiffa-Krankenhaus in Gaza. »Wir sprechen von mehr als 3.000 Fällen, die dringend Operationen brauchen und ­komplizierte medizinische Eingriffe.« (dpa/Reuters/AFP/jW)

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