Aus: Ausgabe vom 24.04.2018, Seite 1 / Inland

Feedback für Bezos

Amazon-Chef wird vom Springer-Verlag dekoriert. Beschäftigte gratulieren mit Streik und Protestaktion

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Gewerkschaften findet er nicht so lustig, ist sonst aber für jeden Klamauk zu haben: Jeff Bezos im indischen Bangalore (28. September 2014)

Heute abend soll Jeff Bezos, Chef von Amazon und dem Vernehmen nach der reichste Mensch der Welt, in Berlin einen vom Axel-Springer-Verlag gestifteten Preis erhalten. Hunderte Amazon-Beschäftigte von sechs deutschen Standorten wollen nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi um 18 Uhr vor dem Springer-Hochhaus protestieren. Auch polnische Kollegen haben sich angesagt. Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger kündigte am Montag ein »Feedback der Beschäftigten« an. Ein Solidaritätsbündnis ruft für 16 Uhr zu einer Demonstration vom Oranienplatz zum Springer-Hochhaus auf.

Verdi kämpft seit Jahren um einen Tarifvertrag bei dem Online-Handelskonzern. Die Gewerkschaft strebt dabei die Bezahlung der Beschäftigten nach dem Tarif des Einzel- und Versandhandels an. Gewerkschafter kritisieren, dass Amazon Tarifverhandlungen verweigert und allein über Arbeitsbedingungen und Bezahlung entscheiden will. Bezos lehne, so Nutzenberger, nicht nur in der Bundesrepublik, sondern in allen Ländern die Zusammenarbeit mit gewerkschaftlichen Vertretern der Beschäftigen ab. Für das Management des Unternehmens sei eine gewerkschaftsfeindliche Haltung typisch. »Was das mit gesellschaftlicher Verantwortung zu tun hat, ist mir schleierhaft«, sagte Nutzenberger mit Blick auf die Begründung der Preisverleihung durch Springer. Der Aufbau eines weltweiten Monopols verdiene nicht die Bezeichnung Innovation.

In Leipzig hatte Verdi die Amazon-Beschäftigten für Montag zum Streik aufgerufen. Verdi-Streikleiter Thomas Schneider warf dem Unternehmen vor, sich »Wettbewerbsvorteile auf dem Rücken der Mitarbeiter zu ergaunern.« Die fehlende Tarifbindung bei Amazon heize »den Verdrängungswettbewerb im Einzelhandel weiter an«, betonte Verdi-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago. Auch an den Standorten Bad Hersfeld, Koblenz und Graben kam es zu Arbeitsniederlegungen. Die Beschäftigten in Rheinberg und Werne hat Verdi ebenfalls zum Streik aufgerufen, der hier bis zum Mittwoch andauern soll. (AFP/jW)


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