Online spezial

14.04.2018, 18:57:58 / Inland

Berlin zeigt Miethaien die Zähne

Die deutsche Hauptstadt erlebte eine Großdemonstration für bezahlbares Wohnen

Von Peter Steiniger
Nicht einverstanden mit der Eigentumsordnung: Eine wachsende Bewegung fordert, dass über die Stadtentwicklung nicht das große Geld entscheidet

Gegen die ungezügelte Profitmacherei auf Kosten von Mieterinnen und Mietern sind an diesem Samstag in Berlin viele Menschen auf die Straße gegangen. Nach Veranstalterangaben nahmen etwa 25.000 an der »Widersetzen«-Demo teil, zu der ein breites Bündnis aus Initiativen und Organisationen aufgerufen hatte. Eine Zahl, die sich auch mit Eindrücken von Beobachtern deckt.

Am frühen Nachmittag formierte sich auf dem Potsdamer Platz ein langer und bunter Demonstrationszug. Menschen aus allen Altersgruppen und den unterschiedlichsten Milieus waren vertreten. Viele Teilnehmer trugen selbstgemachte Schilder und Transparente, auf denen kreativ die Wohnungskrise und die Immobilienspekulation in der Stadt angeprangert und ein soziales Mietrecht gefordert wurden. Während der Regen nachließ und die Sonne zum Vorschein kam, zogen die Demonstranten über die Leipziger und Friedrichstraße in Richtung Kreuzberg und Schöneberg. Trommlergruppen, Reden und Musik aus den Lautsprecherwagen sorgten unterwegs für Stimmung. Immer wieder ertönten Sprechchöre wie »Keine Rendite mit der Miete!«

Die Veranstaltung endete mit einer Kundgebung und Abschlussfeier auf der Kreuzung Goeben- und Potsdamer Straße. Aus Sicht des hinter ihr stehenden Bündnisses darf diese als voller Erfolg bewertet werden: Berlin sah einen der größten sozialen Proteste der vergangenen Jahre. Die Polizei war mit 400 Beamten im Einsatz und agierte zurückhaltend – auch was das Zählen der Teilnehmer betrifft: offiziell waren es 13.500. Katja Richter aus dem Köpenicker Ortsteil Friedrichshagen war auf jeden Fall unter ihnen. Sie habe aus dieser Zeitung davon erfahren, sagte die alleinstehende Mutter gegenüber junge Welt, und sich spontan entschlossen, zur Demo zu gehen. Auch mit einem Wohnberechtigungsschein seien kaum noch erschwingliche Wohnungen zu finden, berichtet die Technikerin: »Es reicht. Dagegen müssen wir uns wehren.« (pst)

junge Welt wird in der Ausgabe vom Montag ausführlich über die Demonstration berichten.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Mehr aus: Inland
  • »Mai-Steine«, kurdische Fahnen: Organisatoren wollen Berliner 1.-Mai-Demonstration repolitisieren. Gespräch mit Marko Lorenz
    Peter Schaber
  • Der Parteitag der Linken tagt im Juni, nun verabschiedete der Vorstand seinen Leitantrag. Gespräch mit Bernd Riexinger
    Peter Schaber
  • Soldatenausbildung im Crashkurs: Reservistenverband startet Pilotprojekt. Durch Angebote für Berufstätige soll mehr Personal rekrutiert werden
    Marc Bebenroth
  • Auf dem Parteitag der Berliner Linken wird am Samstag über die »Rückeroberung des Öffentlichen« geredet. Über die geplante Schulprivatisierung nicht
    Ralf Wurzbacher
  • Klinikgeschäftsführer soll Ärzten Mindestsoll an Eingriffen bei Herzpatienten verordnet haben. Gehaltsabzug bei Nichterfüllung angedroht
    Kristian Stemmler
  • Bundesregierung plant Änderung des Grundgesetzes, um sozialen Wohnungsbau zu fördern
    Ludger van der Heyden