Aus: Ausgabe vom 18.04.2018, Seite 8 / Ansichten

Institution des Tages: Veterinäramt Hannover

Von Dusan Deak
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Wutbürger mögen das halbe Land vor sich her treiben und Tierfreunde die andere Hälfte – beim Veterinäramt Hannover gibt man sich unbeeindruckt. 290.000 Unterzeichner hatte die Onlinepetition »Bitte lasst Chico leben! Er hatte nie ein gutes Hundeleben!«, als der arme Hund am Montag eingeschläfert wurde, und das ohne Wesenstest! In Niedersachsens Landesmetropole soll jetzt ein »Chico«-Denkmal errichtet werden, direkt neben dem Gerhard-Schröder-Denkmal für Hartz IV.

Der Wesenstest hätte höchstwahrscheinlich die Harmlosigkeit des Staffordshire-Terrier-Mischlings bezeugt. Für den Halter ist nicht das reale Verhalten des Hundes maßgeblich, sondern sein Verhalten in einem Wesenstest. Vermutlich wollte »Chico« nur spielen und wurde angegriffen, vielleicht sogar als erster gebissen von der Rollstuhlfahrerin und deren Sohn, die ihm unglücklicherweise zum Opfer fielen. Bild erklärte die Tragödie mit Hunde-Zahnweh.

Chico-Aktivisten bangen nun um das Schicksal des Staffordshire-Terrier-Mischlings, der wenige Tage nach der Tragödie von Hannover im hessischen Bad König einen Säugling mit einem Kopfbiss tötete. Auch dieser Vierbeiner fühlte sich möglicherweise provoziert und handelte im Zustand akuter Notwehr.

Was heißt überhaupt Kampfhund? Es darf als allgemein bekannt vorausgesetzt werden, dass die meisten Beißattacken hierzulande vom Rauhaardackel ausgehen, und diese Rasse wurde jüngst durch den Bau eines Dackel-Museums in Passau geadelt. Biss ist Biss, da kann es doch keinen Unterschied machen, ob vom Fünf-Kilo-Dackel in die Wade oder vom 40-Kilo-Staffordshire-Terrier in die Kehle. Alle Hunde sind vor dem Gesetz gleich!

Unerreicht ist schließlich die Anzahl der Beißattacken durch die Gemeine Stechmücke (Culex pipiens). Trotzdem würde kein vernünftiger Mensch die Einführung eines Stechmücken-Führerscheins fordern.


Debatte

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  • Beitrag von Joel K. aus G. (17. April 2018 um 20:45 Uhr)

    Ein Armutszeugnis für eine dumme Gesellschaft, wo sich aus dem Stand 290.000 Unterschriften für ein einzelnes Tier finden, aber bestenfalls mal in langwieriger Kleinarbeit 2.900 für eine atomwaffenfreie Welt. Menschen sind halt auch nur Tiere, die irrational sind und ihren Instinkten folgen. Der Anblick eines traurigen Paares Augen wirkt mehr, als die etwas abstrakte Gefahr der Weltvernichtung. Für das eine muss man nur fühlen, für das andere müsste man zu denken beginnen. Das ist auch der Trick von Fundraisern: Ein einzelner Tiger bringt Millionen an Spendengeldern, aber die Ausrottung von 1.000 Arten interessiert fast niemanden.

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