Aus: Ausgabe vom 17.04.2018, Seite 16 / Sport

Nicht übermütig werden

Von Gabriele Damtew
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Auf Wiedersehen: Der Chemnitzer FC ist insolvent und muss in die Regionalliga

Die Luft ist raus aus dem Abstiegskampf der 3. Liga. Nach der Insolvenz von Drittliga-Dino Rot-Weiß Erfurt (inklusive neun Punkte Abzug) traf das gleiche Schicksal letzten Dienstag auch Kellernachbarn Chemnitz, in beiden Fällen nicht aus heiterem Himmel. Teure Stadionneubauten, überhöhte Spielergehälter (immer noch ein Witz gegenüber denen der Bundesligisten) und eben auch inkompetente »Führungskräfte« tragen Schuld an den nicht mehr abzutragenden Schulden. Willkommen in der Regionalliga, möchte man sagen, aber die mit Minietats ausgestatteten Viertligisten wettern schon gegen die neuen Brüder. Denn mit der Insolvenz geht auch deren sogenannte »Entschuldung« einher, die es den Absteigern ermöglicht, mit größerem Budget das Projekt Wiederaufstieg ins Visier zu nehmen. Mehrere Regionalligisten, die seit jeher nur kleine Brötchen backen, sprechen aus diesem Grund von Wettbewerbsverzerrung.

Nutznießer des Abstiegs von Erfurt und Chemnitz (auch die Zweite von Werder Bremen muss dran glauben) sind der VfL Osnabrück und Zwickau. Sie können schon in Ruhe für die neue Saison planen. Bitte nicht übermütig werden, siehe oben. Im Mittelfeld der Tabelle geht es jetzt mehr darum, sich weiterhin für den heimischen Kader oder gar für höherklassige Jobangebote zu empfehlen. In Rostock wird unter der Ägide von Trainer Pavel Dotchev schon an der Umstrukturierung des Teams gebastelt. Zu mittelmäßig sei seine Mannschaft, die zwar über die Saison hinweg solide gespielt hat, an den Aufstiegsrängen aber nur schnuppern konnte.

Spannend bleibt vier Wochen vor ultimo das Rennen um den Aufstieg. Spitzenreiter Paderborn hat mit einer uneinholbaren Tordifferenz die besten Chancen. Elf Tore hat das Team allein in den letzten beiden Spielen erzielt, zuletzt fünf auswärts gegen Osnabrück. Zweiter heißer Kandidat für die 2. Liga ist der 1. FC Magdeburg, dem die letzten zwei Jahre nur der unglückliche vierte Platz blieb. Magdeburgs Verfolger Wiesbaden und Karlsruhe stolpern gerade. Karlsruhe kam im Wildparkstadion gegen Rostock nicht über ein 0:0 hinaus, was nicht zuletzt Hansa-Torwart Janis Blaswich anzurechnen war (der, schade für die Hansa, nach Saisonende wohl zurück nach Gladbach geht).

Schon letzten Freitag traf Magdeburg auf seinen direkten Widersacher Wehen Wiesbaden. 3.000 Magdeburger Fans verbreiteten Heimspielatmosphäre in der hessischen Fremde. Nach dem Ausfall von Magdeburgs Nummer eins im Tor, Jan Glinker, musste Alexander Brunst in seinem ersten Drittligaspiel den Kasten hüten. Erst in der zweiten Halbzeit kam der Magdeburger Express ins Rollen. Goalgetter Christian Beck hechtete sich in eine präzise Flanke von Marcel Costly und traf per Kopf (0:1). Keine Viertelstunde später eröffnete eben Brunst mit einem gedankenschnellen, weiten Abwurf einen Konter über Philip Türpitz und Tobias Schwede, der eiskalt vollstreckte (0:2). Wehen gelang nach einem Abpraller von Brunst nur noch der Anschluss. Im Nachholspiel könnte Magdeburg gegen allerdings heimstarke Jenaer den Deckel draufmachen.


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