Aus: Ausgabe vom 17.04.2018, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft

Warenhäuser in Schieflage

Tarifkommission bei Galeria Kaufhof will über Sanierung verhandeln – aber nicht allein auf Kosten der Beschäftigten

Von Gudrun Giese
Galeria_Kaufhof_56959620.jpg
Aufgrund von Missmanagement sanierungsbedürftig: Das Traditionsunternehmen Galeria Kaufhof

Die Gewerkschaft Verdi ist der Leitung der Galeria Kaufhof-Warenhäuser ein ganzes Stück entgegengekommen – im Interesse der derzeit rund 21.000 Beschäftigten. Eine 30köpfige Tarifkommission beschloss am Freitag vergangener Woche, mit dem Unternehmen Gespräche über eine Neuausrichtung der Kette aufzunehmen. Sollten dafür gemeinsame Eckpunkte erreichbar sein, könnten in einem folgenden Schritt auch die von der Galeria- Kaufhof-GmbH seit dem Herbst 2017 geforderten Verhandlungen über einen sogenannten Sanierungstarifvertrag eingeleitet werden.

Hintergrund des aus Kapitalperspektive so dringenden Sanierungsbedarfs ist die verfehlte Geschäftspolitik bei dem Traditionsunternehmen seit der Übernahme durch die kanadisch-US-amerikanische Hudson’s Bay Company (HBC) im Herbst 2015. Waren die damals vom Metro-Konzern übernommenen 135 Filialen wirtschaftlich kerngesund, häufte der neue Eigentümer durch Missmanagement und überhöhte Mieten schnell Schulden an. Im zurückliegenden Geschäftsjahr betrug der Fehlbetrag mehr als 100 Millionen Euro.

Buchstäblich hausgemacht sind die Probleme: So wurden 41 der erworbenen Kaufhof-Immobilien gesellschaftsrechtlich vom Warenhausunternehmen getrennt und in die HBC Global Properties überführt. An diese müssen Kaufhäuser in attraktiven Lagen wie dem Berliner Alexanderplatz oder der Hohen Straße in Köln laut einem Bericht des Magazins Der Spiegel vom 31. März nun mehr als verdoppelte Mieten zahlen. Gleichzeitig müssen die Warenhäuser auch noch für die Instandhaltungskosten aufkommen.

So konnte die HBC durchaus ein nettes Finanzpolster anlegen: Laut Pressemitteilung zum Geschäftsjahr 2017 von Ende März beträgt die Liquidität des Konzerns 1,7 Milliarden US-Dollar. Für Galeria Kaufhof hingegen erwiesen sich auch Sortimentsumstellungen hin zu hierzulande unbekannten US-Marken und verkleinerte Lebensmittelabteilungen als schlecht für das Geschäft. Und schließlich mangelt es an einem durchgreifenden Modernisierungskonzept für die Warenhauskette. Vom anfangs durch HBC dafür in Aussicht gestellten Betrag in Höhe von einer Milliarde Euro ist mittlerweile keine Rede mehr.

Angesichts der Negativentwicklung bei Umsatz und Gewinn kam Kaufhof-Geschäftsführer Roland Neuwald auf die wenig originelle Idee, erst einmal beim Personal zu »sparen«: Abstriche am Entgelt sowie beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld brachte er ins Gespräch. Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger konterte darauf im Februar: »Die Sanierung eines Unternehmens ist nicht durch pure Kostensenkung zu Lasten der Beschäftigten zu erreichen«. Klar war zu dem Zeitpunkt außerdem, dass die Gewerkschaft zunächst den von Galeria Kaufhof reklamierten Sanierungsbedarf durch Wirtschaftsprüfer untersuchen lassen wollte. Inzwischen liegen die entsprechenden Gutachten vor und bestätigen die schlechte ökonomische Entwicklung des Unternehmens.

Zwar existiert mittlerweile ein Zukunftskonzept, das allerdings laut dem besagten Spiegel-Artikel kaum mehr als Schlagworte wie »Stärkung der Marke« oder »Filialumbauten« enthält. Verdi erklärte in einer Pressemitteilung nach dem Ende der Tarifkommissionssitzung vom vergangenen Freitag diplomatisch, man sehe »in dem von Galeria Kaufhof vorgelegten Sanierungskonzept ›Turn-2-Win‹ richtige Ansätze«, kritisierte aber zugleich eine Schieflage zu Lasten der Beschäftigten. Die Gewerkschaft erwartet vom Unternehmen eine Korrektur der Managementfehler der Vergangenheit und eine umfassende Neuausrichtung. Statt auf Personalabbau solle Galeria Kaufhof künftig auf mehr Beschäftigung »zur Stärkung von Service und Beratung« setzen.

»Wir wollen natürlich die Standorte, Arbeitsplätze und Einkommen der Beschäftigten absichern«, erklärte Bernhard Franke, Leiter des Fachbereichs Handel im Verdi-Landesbezirk Baden-Württemberg und für die Beschäftigtenseite Leiter der Tarifverhandlungen mit Galeria Kaufhof. »Vorrangig sind jetzt die Eigentümer in der Pflicht, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Den Arbeitnehmern einseitig in die Taschen zu greifen, ist keinesfalls akzeptabel«, stellte Franke klar. Komme es am Ende zu einem gemeinsamen Sanierungskonzept, dann müsse es auch wirksame Beteiligungs- und Überprüfungsverfahren durch die Betriebsräte enthalten. Und: Ein eventuell nötiger Sanierungsbeitrag der Beschäftigten dürfe keinesfalls so aussehen, dass der Flächentarifvertrag des Einzelhandels unterlaufen werde, so der Gewerkschafter.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Mehr aus: Betrieb & Gewerkschaft