Aus: Ausgabe vom 16.04.2018, Seite 11 / Feuilleton

Die Steuererklärung der Toten

Von Dusan Deak
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Es häufen sich Fälle, in denen Verstorbene ihre Steuererklärung nicht fristgerecht abgeben, bevor sie sterben. Suizide aus Verzweiflung über die Kompliziertheit des deutschen Steuerrechts wurden dabei nicht berücksichtigt. Das berichtet die Zeitschrift Finanztest in ihrem Sonderheft »Spezial Hinterbliebene«. Auch für Verstorbene gilt die übliche Abgabefrist. Spätestens bis fünf Monate nach Ende des Todesjahres, bis zum 31. Mai des Folgejahres, sollte die Steuererklärung beim Finanzamt vorliegen. Viele Verstorbene fühlen sich von dieser Pflicht überfordert und überlassen es den Hinterbliebenen, ihre Steuererklärung nachträglich einzureichen.

Für die ist wichtig festzustellen, welche Verträge und Verbindlichkeiten des Verschiedenen bestehen bleiben und welche gekündigt werden können. Eine Sterbegeldversicherung beispielsweise sollte man aufrechterhalten, falls der Verstorbene sich entschließt, noch mal zu sterben, was eine satte Prämie einbringen kann.

Gekündigt werden sollten auf jeden Fall die Wohnung, der Tiefgaragenparklplatz, die Mitgliedschaft im Sparverein und das Facebook-Profil. Allerdings gelten auch hier die gesetzlichen Fristen (zirka sechs Wochen vor Quartalsende), weshalb sich eine sorgfältige Planung des Todeszeitpunktes empfehlt. Zum Beispiel nach den Sommerferien, um Staus und Wartezeiten zu vermeiden.

Anders stellt sich die Situation bei Verwarnungsgeld und Mahngebühren dar. Viele Verstorbene haben kurz vor oder unmittelbar nach ihren Ableben falsch eingeparkt und dadurch Abschleppkosten und Verwarnungsgelder in erheblicher Höhe verursacht. Hier unterscheidet der Gesetzgeber zwischen einem fahrlässigen Ableben beim Falschparken mit Todesfolge und dem vorsätzlichen (arglistigen) Tod beim Falschparken. In beiden Fällen verzichten die Behörden in der Regel auf Anordnung einer Erzwingungshaft oder verordnen eine Haftverschonung, weil Fluchtgefahr ausgeschlossen wird.


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