Aus: Ausgabe vom 05.04.2018, Seite 15 / Medien

Schüsse und Panik bei Youtube

Im Hauptquartier des Internetdienstes verletzt eine Frau drei Menschen und tötet sich selbst

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Polizeieinsatz am Dienstag in der Zentrale des Internetdienstes Youtube in San Bruno

Eine Frau hat am Sitz des Internetvideokanals Youtube im US-Bundesstaat Kalifornien drei Menschen mit Schüssen verletzt und sich dann vermutlich selbst getötet. Das Motiv für den Vorfall am Dienstag (Ortszeit) in San Bruno nahe San Francisco war zunächst noch unklar.

Um die Mittagszeit seien bei der Polizei mehrere Notrufe eingegangen, nachdem die ersten Schüsse gefallen waren, berichteten zahlreiche Medien. Angestellte verbarrikadierten sich in Büroräumen. Andere flüchteten aus dem Gebäude. Augenzeugen beschrieben panische Momente.

Die drei Opfer wurden in ein Krankenhaus gebracht. Ein 36jähriger Mann befand sich Medienberichten zufolge in kritischem Zustand. Auch zwei Frauen, 27 und 32 Jahre alt, erlitten Schussverletzungen. Ein vierter habe sich den Knöchel verdreht, berichtete ABC 7, der örtliche TV-Sender von ABC News in Los Angeles.

»Es war sehr chaotisch«, beschrieb der Polizeichef von San Bruno, Ed Barberini, die Szene am Ort des Geschehens. Hunderte Menschen strömten aus dem Gebäude, teilweise mit erhobenen Händen. Sie wurden von Beamten nach Waffen durchsucht. Einsatzteams durchkämmten den Komplex. Erst nach mehreren Stunden kam die Entwarnung, dass den Beschäftigten keine weitere Gefahr drohte.

Die Frau sei in dem Komplex von der Polizei gefunden worden, teilten die Ermittler mit. Sie habe sich vermutlich selbst umgebracht, hieß es. Das australische Nachrichtenportal News.com.au berichtete, die Frau habe mindestens 40 Schüsse abgegeben, bevor sie sich selbst getötet habe.

Zu der Identität und den möglichen Motiven äußerte sich die Polizei zunächst nicht. Einige Medien berichteten, sie habe möglicherweise versucht, ihren Freund zu erschießen. ABC 7 und die lokale Station von NBC meldeten unter Berufung auf nicht genannte Quellen, dass die Frau in Südkalifornien wohnte und selbst einen Account bei der Videoplattform hatte. Sie soll sich zuvor über die angebliche Zensur ihrer Inhalte beschwert haben, hieß es.

Google-Hauptgeschäftsführer Sundar Pichai bezeichnete den Vorfall als einen »schrecklichen Akt von Gewalt«. Viele Mitarbeiter stünden unter Schock. Er sagte den Betroffenen Hilfe zu. Youtube-Chefin Susan Wojcicki dankte den Einsatzkräften für die schnelle Reaktion auf den Vorfall.

Die Behörden gehen nicht von einem terroristischen Hintergrund der Tat aus. Die Leitung der Ermittlungen habe die Polizei San Bruno, teilte die Bundespolizei FBI mit. Dies wird als Zeichen gewertet, dass es sich nicht um einen Angriff gegen den Staat handelt.

US-Präsident Donald Trump meldete sich auch zu Wort und erklärte, »unsere Gedanken und Gebete« seien bei allen Betroffenen der Tat in San Bruno. »Danke an unsere phänomenalen Polizisten und Ersthelfer, die derzeit am Tatort sind«, schrieb er auf Twitter.

Youtube LLC (Limited Liability Company) ist ein Tochterunternehmen des Internetriesen Google, der wiederum dem Mutterkonzern Alphabet Inc. gehört. (dpa/jW)


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