Aus: Ausgabe vom 22.03.2018, Seite 8 / Abgeschrieben

Normen und Werte nicht mehr von Profitgier abhängig machen

Der Bundesvorstand von DIDF, der Föderation demokratischer Arbeitervereine, erklärte zum Internationalen Tag gegen Rassismus:

Als Gedenktag zur Erinnerung an das Massaker von Sharpeville, Südafrika, 1960 wird am 21. März der Internationale Tag gegen Rassismus veranstaltet. Diskriminierung aufgrund unterschiedlicher Hautfarbe, Herkunft, Religion und Kultur ist ein wichtiges und weltweites Problem, was sich in den letzten Jahren stark verschärft hat. Je stärker die ökonomischen Probleme zunehmen und soziale und ökonomische Perspektiven fehlen, desto mehr Menschen suchen nach Alternativen. Rassistische, nationalistische oder spalterische Tendenzen nehmen zu, weil viele Menschen verzweifelt sind und Organisationen und Menschen hinterher laufen, die ihnen angebliche »Alternativen« bieten. Diese »Alternativen« lösen aber keinerlei Probleme und lenken nur von den wahren Ursachen ab. Gesellschaftliche und soziale Probleme wie Arbeitslosigkeit, prekäre Arbeitsverhältnisse, Kriminalität und Kriege entstehen nicht wegen der ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, sondern weil die gesellschaftlichen Verhältnisse und Beziehungen nicht auf Menschlichkeit, Solidarität, Gerechtigkeit und Gleichheit setzen. Es ist an der Zeit, dass die menschliche Gemeinschaft die ethischen Werte und zwischenmenschlichen Beziehungen neu überdenkt und gesellschaftliche Normen und Werte nicht mehr von Profitgier und Macht von Einzelnen abhängig bleiben.

Erst wenn der Mensch, die Natur und die Umwelt in den Vordergrund gerückt und Entscheidungen im gesellschaftlichen Sinne gefällt werden und nicht nach dem Kriterium, ob es sich wirtschaftlich rentiert, den »deutschen Interessen« dient oder wenige Monopole und Konzerne davon profitieren, werden die Probleme gelöst. (…) Mit Verschärfung der Asylgesetze, mehr Überwachung, der Erklärung von ganzen Gesellschaftsgruppen zu Sündenböcken oder einer Diskussion, welche Religion denn nach Europa gehört oder nicht, wird man keine Probleme lösen, sondern nur noch mehr Öl ins Feuer gießen. Soziale Probleme kann man nur sozial lösen, nicht, indem man sie kulturalisiert und ethnisiert. In diesem Sinne: Geben wir Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung keine Chance!

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen teilte am Mittwoch zur Seenotrettung im Mittelmeer mit:

Ärzte ohne Grenzen verurteilt Aktionen Italiens und anderer europäischer Regierungen, die überlebenswichtige Rettungseinsätze im Mittelmeer behindern und Menschen nach Libyen zurückzwingen. Italienische Behörden hatten zuvor das private spanische Rettungsschiff »Open Arms« der Organisation Proactiva beschlagnahmt. Die gemeinsam von Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée betriebene »Aquarius« ist damit im Moment das letzte verbliebene private Rettungsschiff im zentralen Mittelmeer.

Annemarie Loof, Leiterin der Projektabteilung von Ärzte ohne Grenzen in Amsterdam: »Das Team der ›Open Arms‹ hat bei seinem letzten Einsatz 216 Menschen gerettet – allen Berichten nach in internationalen Gewässern. Während einer der Rettungsaktionen, 73 Seemeilen vor der libyschen Küste, drohte die libysche Küstenwache dem Rettungsteam mit Gewalt. Es ist verstörend, in welchem Ausmaß die europäischen Regierungen mit der libyschen Küstenwache kooperieren.«


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