Aus: Ausgabe vom 22.03.2018, Seite 8 / Ansichten

Servicebüro für Monopole

Genehmigung für Bayer-Monsanto-Fusion

Von Jana Frielinghaus
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Protest gegen die seit langem geplante Fusion am Bayer-Hauptsitz in Leverkusen im Oktober 2016. Außer der EU-Kommission müssen noch weitere internationale Behörden zustimmen

Die offiziellen Statements bei Vorgängen dieser Art sind immer noch um vieles dreister und abgeschmackter, als man es sich ausmalen kann. Die sogenannten Wettbewerbshüter der Europäischen Union gaben am Mittwoch bekannt, es gebe keinerlei Bedenken mehr gegen die vom Chemieriesen Bayer geplante Fusion mit dem US-Saatgut- und Pestizidkonzern Monsanto. Die zuständige Kommissarin Margrethe Vestager erklärte, durch die Verpflichtungszusagen der Unternehmen – also Verkauf des Gemüsesaatgutgeschäfts von Bayer an BASF – sei gewährleistet, dass »auch nach dem Zusammenschluss wirksamer Produkt- und Innovationswettbewerb herrscht«. Dabei liegt es auf der Hand, dass in diesem Sektor schon jetzt fünf bis zehn Global Player drei Viertel der globalen Märkte unter sich aufgeteilt haben. Durch die angepeilte Fusion erhöht sich der Konzentrationsgrad noch einmal. Bislang ist Monsanto mit Abstand größter Anbieter von Saatgut. Bayer ist dafür aber auf dem Pestizidmarkt die Nummer zwei – nach dem vom chinesischen Staatsunternehmen Chemchina geschluckten Schweizer Multi Syngenta.

Gerade diese Übernahme des vergangenen Jahres dürfte eine Rolle bei der Entscheidung der EU-»Wettbewerbshüter« gespielt haben, die die Linke-Politikerin Kirsten Tackmann am Mittwoch zu Recht als »Konzernlobbyisten« brandmarkte. Völlig uninteressant sind sowohl für die EU-Behörden als auch für die Multis mit ihren vielen Sparten die Belange der Bauern. An Zynismus kaum zu überbieten ist deshalb die Erklärung von Bayer-Chef Werner Baumann nach der Brüsseler Entscheidung: Gemeinsam mit Monsanto wolle man »Landwirten in aller Welt helfen, mehr und bessere Nahrungsmittel nachhaltiger zu produzieren«.

Die »Hilfe« besteht in der Lieferung zertifizierten Saatguts, das immer wieder nachgekauft werden muss. In den USA und Südamerika erschließen sich für Bayer gewaltige Absatzmärkte für seine breite Palette an Unkraut-, Insekten-, Pilz- und Bakteriengiften. Denn Monsanto hat hier über Jahrzehnte das Feld bestellt und Bauern mit Knebelverträgen an sich gebunden. Sie sind nicht nur Abnehmer von – in der EU bislang verbotenem – genmanipuliertem Saatgut, sondern zugleich auch des Totalherbizids Glyphosat – und anderer Präparate. Denn längst sind viele Unkräuter resistent und brauchen mehr und härteren Stoff, um abzusterben. Dem neuen Riesen wird es letztlich auch egal sein, ob es in der EU irgendwann ein Glyphosatverbot gibt. Denn der Konzern ist dann bei Agrochemikalien denkbar breit aufgestellt – und hat viele weitere Präparate im Angebot, die meisten erheblich teurer und viele gefährlicher als Glyphosat.

Die Kommission und ihr unterstellte Behörden wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, EFSA, sind nichts anderes als Servicestellen für Global Player, ob sie nun Bayer, BASF oder Volkswagen heißen. Staatsmonopolistischer Kapitalismus wie zu Lenins Zeiten.


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