Aus: Ausgabe vom 19.03.2018, Seite 8 / Abgeschrieben

Die Entgeltlücke schließen – Stellungnahmen zum Equal Pay Day

Anlässlich des Equal Pay Day am 18. März sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann am Freitag bei einer Aktion des Gewerkschaftsbundes am Brandenburger Tor in Berlin:

»Noch immer klafft eine riesige Lohnlücke zwischen den Geschlechtern. Das ist im 21. Jahrhundert und in einem der reichsten Länder der Welt ein Skandal. Die neue Bundesregierung muss endlich handeln. Um im Betrieb das Prinzip ›gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit‹ durchzusetzen, gilt es, das Entgelttransparenzgesetz zu verbessern. In dieses Gesetz gehören klare Vorgaben, die Unternehmen verbindlich verpflichten zu prüfen, ob es bei ihnen eine Entgeltlücke gibt. Vergangenes Jahr haben die Arbeitgeber solche verbindlichen Regeln verhindert – jetzt müssen sie kommen!

Ganz oben auf die politische Agenda der neuen Regierung gehört auch der Rechtsanspruch auf Rückkehr aus Teilzeit bzw. auf befristete Teilzeit, der inzwischen zum zweiten Mal im Koalitionsvertrag steht. Damit kommen wir der Entgeltgleichheit ein gutes Stück näher – denn die Arbeitszeitlücke zwischen Männern und Frauen ist eine wichtige Ursache für die Entgeltlücke. Wichtig ist auch, dass Pflege- und Sozialberufe besser bezahlt werden, so wie es im Koalitionsvertrag vereinbart wurde. Auch das schmälert die Entgeltlücke, denn es sind vor allem Frauen, die in diesen Branchen arbeiten.«

Der Equal Pay Day wird seit mehr als zehn Jahren in Deutschland als bundesweiter Aktionstag begangen. Er markiert symbolisch die Entgeltlücke zwischen den Geschlechtern – in Deutschland beträgt diese Lücke laut Statistischem Bundesamt rund 21 Prozent (2017). Dem Datum zugrunde liegt die Annahme, dass Frauen 77 Tage länger arbeiten müssen als Männer, um auf ihr Jahresgehalt zu kommen – eben bis zum Equal Pay Day im März.

Zum selben Thema äußerten sich am Sonntag auch Abgeordnete der Linksfraktion des Thüringer Landtags:

»Die Lücke von 21 Prozent zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenlöhnen von Männern und Frauen hat mehrere Ursachen. Die Folge aber bleibt immer gleich: Frauen bekommen für ihre Erwerbsarbeit weniger Lohn. Dies hat Auswirkungen auf die Höhe der Einkommen für Frauen und auch deutlich auf deren Altersarmut«, so Ina Leukefeld, Sprecherin für Arbeitsmarktpolitik der Fraktion Die Linke. Die Abgeordnete weiter: »Der prozentuale Lohnunterschied, der auch als Gender Pay Gap bezeichnet wird, wird durch verschiedene Faktoren verstärkt. Zum einen durch familiäre Verpflichtungen, wie Kinder oder zu pflegende Angehörige, und zum anderen durch damit verbundene Erwerbsarbeitsunterbrechungen oder Teilzeitarbeit.«

Karola Stange, Sprecherin für Gleichstellungspolitik der Fraktion Die Linke, fügt hinzu: »Die Kritik an der Lohnlücke muss diese strukturellen Ungleichheiten in Gesellschaft und auf dem Arbeitsmarkt einschließen und fragen, warum diese bestehen. Frauen üben neben der Erwerbsarbeit immer noch die Hauptlast der unbezahlten Arbeit in der Familie und im Haushalt aus. Die geschlechterspezifische Verteilung solcher Arbeit wirkt sich nicht nur darauf aus, wie viele Kapazitäten eine Frau in die Erwerbsarbeit einbringen kann, sondern auch darauf, welcher Erwerbsarbeit welcher Wert zugewiesen wird. Da die Arbeitsanforderungen von Sorge, Erziehung und Pflege als gering eingestuft werden – denn Frauen wird die Ausübung dieser Tätigkeiten rollenspezifisch und ›natürlich‹ zugeschrieben – hinkt die monetäre und gesellschaftliche Anerkennung hinter anderen Berufsfeldern hinterher.«


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