Aus: Ausgabe vom 19.03.2018, Seite 4 / Inland

Kein »großer Austausch« für Pegida

München: Effektvoller Protest gegen Kundgebung von 200 Dresdner Anhängern der rechten Bewegung

Von Sebastian Lipp, München
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2.000 Menschen versammelten sich am Samstag auf dem Münchner Max-Joseph-Platz, um gegen eine Kundgebung von Dresdener Pegida-Anhängern anzusingen

»Wir sind das Volk«, intonierten aus Dresden angereiste Anhänger der »Pegida« am Samstag in München. Der Verein um Lutz Bachmann und Siegfried Däb­ritz hatte zu einer Kundgebung unter dem Motto »Pegida – das Original in München. Gegen Islamisierung, offene Grenzen und Asylmissbrauch« in der bayerischen Landeshauptstadt aufgerufen.

Bachmann ließ sich bis zu seinem Auftritt als Redner nicht blicken und verzichtete dann darauf, die Bühne zu betreten. Ob ihm die Teilnehmerzahl zu gering war? Nur rund 200 Personen waren zu dem rechten Aufzug erschienen. 2.500 Gegendemonstranten umringten die »patriotischen Europäer« friedlich protestierend. Bachmann bezeichnete sie als »Affen« – und rief seine Anhänger auf: »Merkt euch die Gesichter!« Der »alte Geist« von Pegida werde wiederkehren, und am Ende werde man siegen.

Ein breites Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, Kultureinrichtungen, Initiativen und Prominenten hatte zum als »öffentliche Chorprobe« betitelten Protest aufgerufen. Noch bevor die Pegida-Anhänger starten konnten, trafen sich Mitglieder von mehr als 35 Chören auf dem Max-Joseph-Platz, um gegen Rassismus anzusingen. Zur Aufführung gelangten unter anderem der Ärzte-Song »Schrei nach Liebe« und das alte Partisanenlied »Bella Ciao«, in das auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) einstimmte.

Münchens Antifa-Szene mobilisierte derweil etwa 400 Menschen zu einer Demonstration gegen den rechten Aufmarsch. Mehrmals versuchten Teilnehmer, auf den abgesperrten Zugweg von Pegida zu gelangen. Die Polizei verhinderte das teilweise unter Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray. Me­dien­vertreter berichten, Beamte des baye­rischen Unterstützungskommandos, einer Spezialeinheit der Polizei, hätten sie unter Androhung von Gewalt von einem Platz gedrängt und geschubst, der ihnen zuvor durch die Münchner Polizei zugewiesen worden war.

Die Münchner Pegida um Heinz Meyer versuchte indes, »das Volk« in Dresden auf die Straße zu bringen. Das Event wurde zu einem Flop mit gerade mal zehn Teinehmern auf dem menschenleeren Altmarkt der sächsischen Landeshauptstadt. In München selbst konnte Meyer in letzter Zeit nur noch maximal 50 Personen zur Teilnahme an Pegida-Kundgebungen bewegen. Zu seinen Mitstreitern gehören der wegen Beteiligung an einem geplanten Anschlag auf die Grundsteinlegung des jüdischen Gemeindezentrums in München verurteilte Karl-Heinz Statzberger und andere Anhänger militanter Neonaziorganisationen.


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