Aus: Ausgabe vom 14.03.2018, Seite 16 / Sport

Das Schmuckstück Südamerikas

Von André Dahlmeyer
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Einen schönen guten Morgen! Was den 19. von 27 Spieltagen der argentinischen Superliga (SAF) im Männerfußball auszeichnete, waren späte, wenn nicht sehr späte Tore und die üblichen hanebüchenen Entscheidungen der Unparteiischen. Den Boca Juniors ist der Meistertitel kaum noch zu nehmen (Siegtreffer gegen Tigre in der 95. Minute). Verfolger Talleres de Córdoba, bis vor kurzem Drittligist, liegt noch acht Punkte hinter den »Xeneizes«. Genauso Atlético Independiente, sollte Anfang April das Nachholspiel gegen Papstklub San Lorenzo de Almagro gewonnen werden.

Eines der Überraschungsteams seit der Sommerpause ist der Racing Club. Weit abgeschlagen lag er in den unteren Regionen der Tabelle, nach einem Schauklettern ist er nun nur noch einen Punkt von einem der fünf Plätze entfernt, die für die Copa Libertadores 2019 qualifizieren. Eine beeindruckende Serie hingelegt hat auch Godoy Cruz aus der Andenprovinz Mendoza. Der »Tomba« liegt derzeit, wie auch San Lorenzo, auf einem Libertadores-Rang.

Abgebaut haben Unión und Colón aus der Hauptstadt Santa Fe der gleichnamigen Agrarprovinz im Zentrum des Landes ebenso wie Belgrano de Córdoba und Huracán aus Buenos Aires. Peu à peu am Klettern ist dagegen wieder Estudiantes de La Plata. Dort ist Juan Sebastián Verón Präsident, benutzt sein Büro aber nach eigenen Angaben nicht – er sei »nicht so einer«.

Den Weg in die Zweitklassigkeit antreten müssen wohl Chacarita, Arsenal de Sarandí (der Klub des Grondona-Clans, den kaum jemand mehr protegiert), Olimpo aus Bahía Blanca sowie der Sympathenklub Temperley.

In Argentinien wird noch immer nach dem »Promedio«, dem sogenannten Durchschnittskoeffizienten, abgestiegen, bei dem die Ergebnisse von maximal drei Jahren ausschlaggebend sind. Angeblich soll das abgeschafft werden. Mal ist es leicht zu verstehen, mal wird die Chose etwas komplizierter. Aktuell sieht es danach aus, als ob sich nur der Tabellenletzte Chacarita theoretisch noch retten könnte. »Die vom Friedhof« sind gerade erst aufgestiegen. Legten sie zur allgemeinen Überraschung alsbald eine kleine Siegesserie hin, könnte der »Funebrero« vor allem Tigre und Vélez Sarsfield arg in Bedrängnis bringen.

Dass der Wille da ist, zeigen die Remis von letzter Woche im Monumental von River Plate und vom Sonnabend daheim gegen den Racing Club (jeweils 1:1), für den Lautaro Martínez spät nach einem Konter mit seinem neunten Saisontreffer ausglich. Martínez spielt nach der WM im Sommer für Internazionale Milano. Der 20jährige ist ein Vollblutstürmer, alles an ihm erinnert an Gabriel Omar Batistuta. Er ist bereits Schmuckstück und Superstar Südamerikas, in Kürze wird ihn die ganze Welt kennen. Der fußballbegeisterte Teil jedenfalls wird aus dem Häuschen sein. Nach meinen Informationen steht Martínez auf der Liste der von Jorge Sampaoli für die Europa-»Tournee« Berufenen. Vizeweltmeister Argentinien bestreitet vor der WM-Endrunde zwei Testspiele: am 23. März im ManCity-Stadion gegen Italien und vier Tage später im neuen Stadion von Atlético Madrid gegen Spanien. Am 16. Juni geht es dann gegen Island in der Todesgruppe D um die Wurst .

Auf der mir zugespielten Sampaoli-Liste stehen außerdem Cristian Pavón (der neue Caniggia!), Pablo Pérez von den Boca Juniors (könnte in der argentinischen Auswahl die Rolle übernehmen, die Marcelo Díaz in der chilenischen hatte) sowie zwei Vertreter des Copa-Sudamericana-Gewinners Independiente: Fabricio Bustos (rechter Außenverteidiger) und Maximiliano Meza (kann offensiv auf allen Positionen eingesetzt werden). Möglicherweise fügt Sampaoli im letzten Moment noch den Namen Leonardo Jara hinzu (rechter Außenverteidiger von Boca).


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