Aus: Ausgabe vom 02.03.2018, Seite 2 / Inland

»Wir müssen mehr auf die Straße«

22. Parteitag der DKP wird Wege aus der Defensive debattieren. Gespräch mit Patrik Köbele

Interview: Marc Bebenroth
DKP Fahnen auf der Luxemburg Liebknecht Demonstration
DKP Fahnen auf der Luxemburg Liebknecht Demonstration

Neben dem Austragen von Debatten dient ein Parteitag der Beschlussfassung. Welche Entscheidungen stehen für die DKP an diesem Wochenende in Frankfurt am Main an?

Wir haben als erstes und Wichtigstes den Entwurf eines Leitantrags vorliegen, der tatsächlich versucht, eine revolutionäre Strategie für dieses Land unter den heutigen Bedingungen zu definieren. Dazu gibt es 300 Abänderungsanträge aus den Parteigliederungen. Das wurde sehr intensiv diskutiert und wird sicherlich die zentrale Entscheidung sein. Der zweite wichtige Beschluss betrifft einen Antrag zur Stärkung der DKP. Wir sind ungeheuer klein, und unsere Kraft entspricht überhaupt nicht der Notwendigkeit, die eine kommunistische Partei in diesem hochentwickelten, imperialistischen Land hat. Wir werden uns sicherlich auch aktiv mit unserem Beitrag zum Friedenskampf, den wir für sehr entscheidend halten, befassen. Und wir werden weiter daran arbeiten, unsere eigene komplizierte Situation – wozu der interne Streit in der DKP gehört – zu überwinden.

Die DKP hatte zum Zeitpunkt der Bundestagswahl 3.500 Mitglieder. Zuletzt trat im Bezirk Südbayern und in der Jugendorganisation SDAJ eine größere Zahl von ihnen aus. Wie kam es dazu?

Diese Austritte haben verschiedene inhaltliche Gründe. In Südbayern waren Bezirksorganisationen mit dem Ergebnis des 20. Parteitags im Jahr 2013 nicht zufrieden und haben es längere Zeit lang tendenziell boykottiert. Damals wurde die Rückbesinnung der DKP auf ihre kommunistischen revolutionär-marxistischen Grundsätze eingeleitet. Das hat dazu geführt, dass wir diese Bezirksorganisation auflösen mussten, woraufhin Mitglieder die DKP verließen.

Dazu kam Kritik »von links« auf, von jenen, die sich vor allem mit unserer antimonopolistischen Bündnisstrategie nicht abfinden wollten, mit der wir unsere Kraft auf den Kampf gegen das Monopolkapital fokussieren und gerade in der Friedensfrage auch Kleinkapitalisten einbeziehen wollen. Ich finde es sehr schade, dass es auch in diesem Fall zu Parteiaustritten kam, ohne zum Beispiel den jetzigen Parteitag abzuwarten, wo wir uns intensiv mit genau diesen strategischen Fragen befassen werden.

Wie geht es für die DKP jetzt weiter?

Mit diesem Parteitag werden wir uns erst mal auf den Kampf für die Stärkung der Partei orientieren. Das heißt vor allem: Wir müssen mehr auf die Straße. Was den Friedenskampf angeht, werden wir uns auf Kampagnen orientieren und das zu einem Schwerpunkt der kommenden Monate machen. Den Aufruf »Abrüsten statt Aufrüsten« werden wir kräftig unterstützen. Da wird man uns viel auf der Straße sehen.

Zumal wir die Probleme nach innen nicht lösen können, wenn wir nicht nach außen gehen. Und das Entscheidende ist tatsächlich, dass wir als kommunistische Partei unseren Beitrag in den Kämpfen in diesem Land leisten. Und das kann man nicht machen, wenn man im Hinterzimmer sitzt.

Wie verhält sich die DKP dabei zu anderen Parteien der Linken in Deutschland und in Europa?

Wir arbeiten natürlich mit ganz vielen Kräften zusammen, mit der Linkspartei, vor Ort manchmal mit Sozialdemokraten oder Grünen. Das ändert aber nichts daran, dass wir uns selber klar als kommunistische Partei sehen und nicht vorhaben, in irgendeinem bunten organisationspolitischen Zusammenhang aufzugehen. Wir wollen unser Profil schärfen, auch auf internationaler Ebene. Wir suchen in erster Linie die Zusammenarbeit mit den kommunistischen Parteien, was ganz gut in unserer Vier-Parteien-Kooperation mit der Partei der Arbeit Belgiens, der Neuen Kommunistischen Partei der Niederlande und der KP Luxemburgs funktioniert. Aber das klappt natürlich auch im Rahmen der jährlichen internationalen Meetings der kommunistischen und Arbeiterparteien.

Welche Bedeutung hat der Parteitag in Frankfurt?

Ich denke, dass dieser Parteitag nicht nur für uns als DKP wichtig ist. Ich meine, dass für die linke Bewegung in diesem Land, dass für die Arbeiterbewegung hierzulande, durchaus entscheidend ist, wie es mit der kommunistischen Partei weitergeht. Insofern rate ich allen: Guckt euch mal an, was wir tun. Und uns rate ich: Lasst uns viel tun.

Der internationalen Aufmerksamkeit bin ich mir durchaus sicher. International ist unser Ansehen manchmal viel größer, als ich es angesichts unserer Größe vermuten würde. Aber auch national werden wir Dinge bei diesem Parteitag erarbeiten, die über unsere Reihen hinaus interessant sind. Ob das wahrgenommen wird, hängt nicht nur von uns ab.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Mehr aus: Inland