Aus: Ausgabe vom 02.03.2018, Seite 2 / Ausland

Für Ende der Sanktionen

BRD-Wirtschaft: Maßnahmen gegen Russland auch schlecht für eigene Unternehmen

Von Klaus Fischer
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Deutsch-Russische Freundschaft? In der Wirtschaft stehen die Zeichen jedenfalls wieder auf Annäherung

Deutsche Unternehmen rechnen 2018 mit einem deutlichen Aufschwung im Russland-Geschäft. In einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage unter 141 dort engagierten Firmen prognostizierten mehr als drei Viertel eine positive Entwicklung der Wirtschaft. Knapp zwei Drittel beurteilten zudem das Geschäftsklima seit Anfang 2017 positiv, und die russische Wirtschaftsleistung wachse wieder. 94 Prozent sprachen sich in der Befragung des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft und der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) für eine sofortige oder schrittweise Aufhebung der von der EU 2014 verhängten »Strafmaßnahmen« aus. »Sowohl Russland als auch der Westen sind gefordert, sich endlich auf gesichtswahrende Lösungen für beide Seiten zu einigen«, sagte der Ost-Ausschuss-Vorsitzende Wolfgang Büchele bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse in Berlin.

Die geschäftsführende Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) hält indes wenig von einer »gesichtswahrenden Lösung«, wie sie Büchele vorschwebt. Auf einer Russland-Konferenz der AHK und des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) gestern ebenfalls in Berlin versteifte sie sich darauf, »dass wir nur zu einem Abbau von Sanktionen kommen, wenn wir diese Fortschritte auch wirklich sehen können«. Über die einzelnen Schritte könne man dann sicher diskutieren, meinte sie. Russlands Botschafter Sergej Netschajew nannte die Sanktionen bei der Konferenz hingegen ein »beispielloses und illegitimes Diktat«.

Im Westen wird regelmäßig behauptet, Russland bzw. russische Separatisten seien für die seit 2014 andauernden Kämpfe in der Ostukraine verantwortlich, und Moskau hätte die Halbinsel Krim völkerrechtswidrig okkupiert. Dabei war es der Westen, allen voran die US-Nation-Building-Fetischisten aus State Department, Pentagon und CIA, der mit der Inszenierung des Maidan-Putsches und der damit einhergehenden Verfolgung russischer Bevölkerungsteile im Osten der Ukraine für die Bürgerkriegsstimmung verantwortlich zeichnet.

Unter dem Strich haben die Sanktionen nicht nur der russischen, sondern auch der deutschen Wirtschaft erheblich geschadet. Letztere beziffert die Verluste auf einen dreistelligen Milliardenbetrag. (mit dpa/AFP)


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