Aus: Ausgabe vom 13.02.2018, Seite 12 / Thema

Das Zeitalter der Zäune

Vier neue Groll-Geschichten

Von Erwin Riess
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Abschotten, abschotten und noch mal abschotten! – das ist nicht nur das Programm der neuen österreichischen Regierung, es ist auch schon seit langem die Politik der Europäischen Union. Herr Groll nennt das »Grenzirresein« (die EU-Außengrenze in Melilla, 19.12.2014)

Herr Groll ist die Hauptfigur der Krimis des bekannten österreichischen Schriftstellers Erwin Riess. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Dozenten, besteht er allerlei Abenteuer, die stets auch eine kleine historische oder politische Lektion enthalten. Die im folgenden abgedruckten Texte tragen die Titel: »Das Zeitalter der Zäune«, »Die Burg Hohenwerfen oder die hohlen Gassen«, »Athen, Kongresszentrum« und »­Joseph II., der Konjunktiv II und die schulische Inklusion«. (jW)

Der Dozent war mit seiner italienischen Rennmaschine auf der Donauinsel unterwegs. Nahe der Nordbrücke traf er seinen Freund Groll. Dessen Rollstuhl stand neben einem hölzernen Tisch, darauf lagen eine englische Sportkappe und ein Fernglas.

»Guten Tag, Freund Groll! Was macht die Schiffahrt?« Der Dozent stieg ab und lehnte das Rad vorsichtig an den Tisch.

»Sie stagniert. Wir haben noch immer nicht die Werte der achtziger Jahre erreicht. Auch Ihnen einen guten Tag«, sagte Groll und musterte den dunklen Zweireiher seines Bekannten. »Sie kommen aus der City?«

»Ein Geschäftstermin mit einem befreundeten Ölmanager«, sagte der Dozent. »Ich bin seit vielen Jahren in Öl investiert und brauche hin und wieder Expertenrat. Ich darf Sie davon in Kenntnis setzen, dass es der Seeschiffahrt noch viel schlechter als der Binnenschiffahrt geht. Mein Freund berichtet von der schlimmsten Krise seit Jahrzehnten. Frachtschiffe liegen zu Tausenden auf Reede, die Verschrottung ist mitunter rentabler als der teure Leerstand. Der Londoner Baltic Dry ­Index, der wichtigste Indikator für die Verschiffung von Gütern, verzeichnet laufend Tiefststände. Der niederländische Chemienobelpreisträger Paul Crutzen und sein US-amerikanischer Kompagnon Eugene F. Stoermer scheinen recht zu haben, wenn sie von der Existenz eines neuen Erdzeitalters ausgehen. Ihrem Konzept zufolge befinden wir uns nach dem elftausend Jahre währenden Holozän seit kurzem im Anthropozän, in dem die Einwirkung menschlicher Aktivitäten die Dimension natürlicher Einflüsse erreicht. Die jährlich produzierte Menge an Beton ist mit dreizehn Gigatonnen gleich groß wie jene an Sedimenten, die Jahr für Jahr von allen Flüssen der Welt verfrachtet wird.«

Groll runzelte die Stirn. »Unsere Zeit wird als das Zeitalter der Zäune in die Geschichte eingehen: Globalisierung unter den Bedingungen von Grenzirresein.«

»Das klingt nach Krieg.«

»Die Kanonen, die das Elend auch in unsere Breiten bringen werden, sind schon gegossen.«

»Derzeit dümpeln siebenhundert Frachtschiffe der weltweiten Flotte leer auf Reede. Noch einmal so viele liegen in Häfen, um die Preise nicht weiter sinken zu lassen. Manche Schiffe werden nur vorübergehend stillgelegt, das geht aber nur für sechs oder neun Monate, eine Crew von drei Mann bleibt für die nötigsten Instandhaltungsarbeiten an Bord. Ein großes Containerschiff wieder voll einsatzfähig zu machen, kostet bis zu einer Million Dollar. Teils verloren die Reedereien bis zu neunzig Prozent ihres Marktwerts, und die Branche rechnet damit, dass es noch schlimmer wird. Tausende Schiffe werden überflüssig, sie werden Häfen und Buchten verstopfen – wie der Schiffsfriedhof von Eleusis im Saronischen Golf nahe von Athen, in dem unzählige Schiffe vor sich hin rosten. Und wer ist schuld an dem Schlamassel?«

»Keine Ahnung. Die Steirer? Sie machen die Steirer ja für alles verantwortlich?«

»Unsinn. Die Chinesen. Deren Wirtschaftsboom trägt den Keim des Untergangs in sich.«

»In den steirischen Bergen steht in solchen Fällen auf den Grabsteinen: ›Aufigstiegen, obigfalln, hingwesen.‹ Im übrigen sollten Sie Ihre Lautstärke mäßigen. Sie wissen nicht, was Sie da sagen.«

»Ich verstehe nicht?«

»Sie sprachen von Tausenden leerstehenden Schiffen! Stellen Sie sich nur vor – wenn der FPÖ-Verteidigungsminister, der Flüchtlinge in Hercules-Transportmaschinen als migrantischen Abfall über Afghanistan abwerfen will, wenn der FPÖ-Innenminister, der Flüchtlinge am Rande der Stadt ›konzentriert halten‹ will, oder wenn der FPÖ-Klubobmann, der sich mit rechtsextremen Russen und Serben gemein macht, von den leerstehenden Schiffen hören. Sie möchten auf Ideen kommen.«

»Um Gotteswillen, Sie haben recht.« Der Dozent sah sich ängstlich um und hockte sich neben Groll auf die Fersen. Ein niederländischer Ölfrachter, die »Middelburg«, fuhr bergwärts an ihnen vorüber.

»Warum ragt der Bug so weit aus dem Wasser?«

»Eine Leerfahrt«, sagte Groll. »Die vierte am heutigen Tag.«

Die hohlen Gassen

Herr Groll hatte sich beim Schrägaufzug zur Burg Hohenwerfen angestellt und wartete geduldig in der Schlange, bis er an der Reihe war, ein Ticket zu lösen. Wir sind hier nicht in England oder in den USA, wo behinderte Menschen aus der Reihe vorgebeten und zu einem separaten Schalter geführt werden, sagte er zu seinem Rollstuhl Joseph. Erinnere dich an das neue New Yorker Whitney Museum am Hudson River – wir wurden an der Schlange vorbeigewinkt und waren in Nullkommajosef im Lift. Grolls Rollstuhl knarrte ein wenig, er schätzte es nicht, wenn sein Name für Redewendungen missbraucht wurde. Joseph III. war ein formschöner und stabiler Rollstuhl der Schweizer Gebirgstruppe des Dritten Armeekorps und bestand auf der Nennung seines vollen Namens. Die Namensgleichheit mit einem scheußlichen antialkoholischen Bier namens »Nullkommajosef« ließ sein Fahrgestell in Zornesröte erglühen. Ein älteres Ehepaar versuchte sich an den beiden vorzuschwindeln, es blieb allerdings beim Versuch, denn Groll schnitt dem eiligen Herrn mit einem forschen Manöver den Weg ab. Er war neugierig, welcher Nationalität die unhöflichen Menschen waren und ging im Kopf einige Staaten durch, schämte sich dann aber ob dieser fremdenfeindlichen Gedanken und war erleichtert, als er ein vertrautes Wiener Idiom vernahm. Er hörte, wie der Mann seiner Frau etwas zuraunte. Er verstand nur »Licht ins Dunkel« und die Worte »da soll man für diese Leute spenden, die uns Steuerzahler auf der Tasche liegen, und dann machen sie einem nicht einmal Platz«.

Siehst du, flüsterte Groll seinem Rollstuhl zu. Die neue Regierung und bestimmte Parteien sind nur ein Teil des Problems, es sind die lieben Landsleute, die die Sache vollends unerträglich machen. Wenn zwei Drittel der Wähler autoritäre schwarze oder braunblaue Lichtgestalten wählen, darf Sie das nicht wundern, erwiderte Joseph Drei, denn in politischen und weltanschaulichen Fragen befand er sich mit Herrn Groll nicht auf dem Duzfuß. Seiner Meinung nach waren die Schweizer den Österreichern in Fragen der Weltoffenheit und Höflichkeit um geologische Zeitspannen voraus, und tatsächlich musste Herr Groll ihm eingedenk einiger Aufenthalte in der Schweiz beipflichten. Sowohl in St. Gallen als auch in Appenzell, Zürich, Luzern und am Vierwaldstättersee war die Umwelt meist barrierefrei, und das galt für Züge ebenso wie für Schiffe auf den Seen, Bergbahnen und viele Restaurants. Joseph Drei war in der Schweiz zu großer Form aufgelaufen, selbst die Hohle Gasse bei Küssnacht, in der einst der tapfere Schütze Wilhelm Tell den Landvogt Gessler erschoss, war mit Joseph ein ordentliches Stück befahrbar, behende war er mit Groll über Felsbrocken und armdicke Wurzeln hinweggeturnt.

Langsam wurde die Schlange vor dem Groll’schen Kampfverband kleiner. Die Sonne war hinter dem Hochkönig verschwunden und von der nahen Salzach, die tief unten den Salzachöfen entgegenschäumte, zogen erste Nebelschwaden den Berg herauf. Dummerweise überkam Herrn Groll ein menschliches Bedürfnis, er rollte mit Joseph Drei aus der Reihe und machte sich auf die Suche nach den Sanitärräumen. Als er eine Viertelstunde später nach einer kleinen Odyssee zurückkam, musste er sich wieder am Ende der Menschenschlange anstellen. Niemand machte Anstalten, die beiden vorzulassen. Also richteten sie sich auf eine längere Wartezeit ein. Groll überlegte hin und her, ob es vernünftig war, so spät noch auf die Burg hinaufzufahren. Die Vorführung der Falkner, der Groll beiwohnen wollte, war längst vorbei, und bei dem einfallenden Nebel würde die Sicht auf Tennen- und Hagengebirge bescheiden sein. Dennoch blieben sie in der Reihe. Groll versank in schwarzen Gedanken: Auch in den Wiener Heurigenbezirken gibt es hohle Gassen, sie werden »Kellergasse« genannt; etwas Übung mit einer Armbrust und man könnte das eine oder andere Problem lösen. Keine schlechte Idee, meinte Joseph Drei. Dazu braucht es keinen Rütlischwur. Wieder einmal war Groll froh, dass sein Gefährte, der Dozent, von den Gesprächen mit Joseph nichts mitbekam.

Athen, Kongresszentrum

Das Licht wurde abgedreht; es war still. An der Stirnseite des Saales wurde eine Leinwand heruntergelassen, aus den vorzüglichen Lautsprechern ertönte ein Streichquartett. Der Kongress des Internationalen Netzwerks für barrierefreies Bauen wurde mit einer Filmvorführung fortgesetzt.

Groll war von seinem Freund, dem Dozenten, eingeladen worden, der Veranstaltung als sogenannter Betroffener beizuwohnen; er hatte das Angebot gern angenommen, denn Wien versank zu jener Zeit im Schnee, und Groll, der am Höhepunkt der Schneefälle mehrere Tage in seiner Wohnung eingeschneit gewesen war, hatte schon mit dem Leben abgeschlossen und ergab sich willenlos seinen beiden ORF-Fernsehprogrammen. Wenn schon sterben, dann bewusstlos, hatte er sich gesagt.

In Athen lag zwar kein Schnee, aber das Wetter war feucht und kalt, und ein schneidender Wind, der ständig die Richtung wechselte und Fußgänger immer dort überfiel, wo diese es am wenigsten erwarteten, tobte durch die Stadt, wirbelte Staub und Zeitungspapier auf und erinnerte Groll daran, dass man nirgendwo so frieren kann wie in südlichen Ländern im Winter, denn die Steinböden der Lokale waren ungeheizt und die Hotelzimmer zugig wie eine außer Kontrolle geratene Klimaanlage.

Im behaglich warmen Konferenzsaal fühlte Groll sich wohl; sein Beschluss, bis zum Ende des Kongresses das Freie zu meiden, hatte sich als richtig erwiesen, und das gutbestückte Buffet, das obendrein mit Gratisgetränken aufwartete, hob seine Laune zusätzlich. Darüber hinaus schienen auch die Vorträge interessant zu sein, genau konnte Groll das nicht sagen, denn eine alte Liebe aus lang zurückliegenden Griechenland-Reisen hatte ihn unvermittelt wieder mit Beschlag belegt – die Liebe zum weißen Retsina der Firma Tsantali aus Attika.

Der Film zeigte Bürohochhäuser, Theater, Schulen und Sportstätten. Die stolzen griechischen Architekten führten vor, welche Leistungen sie im Bereich des barrierefreien Bauens erbracht hatten, um die Stadt, zumindest im modernen Teil, für alle zugänglich zu machen. Ein schwarzgekleideter Mann, der Architekt, und ein Mädchen mit langen blonden Haaren passierten Rampen, asphaltierte Wege und abgeschrägte Bürgersteige. Das Mädchen, dessen Haar so lang war, dass es fast den Boden streifte, trug ein weißes Kleid und saß in einem Sportrollstuhl. Es wurde vom Mann in Schwarz umsichtig durch die Stadt geschoben. Die ganze Zeit über hörte man das Streichquartett.

Der Dozent, der vorgab, sich in Athen gut auszukennen, meinte, die Bilder seien geschönt und wären in keiner Weise repräsentativ für die Wirklichkeit. Groll aber freute sich, der Retsina stimmte ihn milde, und mit Fortdauer des Films zeichnete sich auf seinem Gesicht ein nachdenkliches Lächeln ab. Er hätte nicht gedacht, dass Groll, der ansonsten kein gutes Haar an den baulichen Verhältnissen in Österreich lasse, sich von einem derart verlogenen und gleisnerischen Filmchen beeindrucken lasse, sagte der Dozent. Er finde an dem Film Gefallen, widersprach Groll, schließlich erfahre man viel von der Stadt und der Arbeit der Architekten, auch sei der Streifen unterhaltsam, ja sogar witzig. Wie er nur darauf komme, dass jenes Propagandawerk witzig sei, fragte der Dozent erstaunt. Er schließe das aus der Musikuntermalung, erwiderte Groll, Schuberts Streichquartett in D-moll, opus 14.

Die Melodie komme ihm bekannt vor, bestätigte der Dozent.

»Dann kennen Sie sicherlich auch den Titel des Quartetts«, fuhr Groll fort: »›Der Tod und das Mädchen‹.«

Der Dozent sank in seinen Sessel zurück und starrte ins Leere.

Schulische Inklusion

Herr Groll traf seinen Freund, den Dozenten, am Josefsplatz in der Wiener Innenstadt. Sie hatten neben dem furchterregenden Denkmal, das jenem von Marc Aurel in Rom nachempfunden ist und Grolls Rollstuhl Joseph III. immer in Angst versetzte, Aufstellung genommen. Der Dozent wollte Groll einige Überlegungen zum Verhältnis von Kirche und Staat vortragen, er hockte auf den Stufen, Groll stand neben ihm. Wie meist, wenn es um Fragen von welthistorischer Bedeutung ging, hatte Groll ein Campingtischchen mitgebracht, auf ihm befanden sich Speck, Brot, ein Schweizer Armeemesser, eine Flasche Zweigelt und Gläser.

In Zeiten politischer Verwirrung und des Erstarkens autoritärer Parteien sei es nützlich, die Haltung der kirchlichen Vorfeldorganisationen zu studieren, diese seien gesellschaftliche Seismographen, und das in doppelter Hinsicht, sagte der Dozent. Zum einen beobachteten sie gesellschaftliche Umbrüche schon früh, zum zweiten nähmen sie auf die Richtung der neuen Strömungen Einfluss. Nicht selten gelinge es kirchlichen Orden, sich an die Spitze restaurativer Bewegungen zu setzen – wie bei den Jesuiten im Kampf gegen den Protestantismus geschehen. Selten komme es vor, dass apparatkritische Strömungen Einfluss gewönnen.

Er habe an dieser Einleitung nichts auszusetzen, sagte Groll, besonders gefalle ihm die Verwendung des Wörtchens »gewönne«. In den gegenwärtigen Verhältnissen erfahre der Konjunktiv II eine neue Blüte. Gewönne Rapid Wien die nächsten siebzig Pflichtspiele, sei der Gewinn der Champions League fix. Gewönne Herr Strolz von den urbanen Bobos der NEOS-Partei Hirne und Herzen der Österreicherinnen und Österreicher, stünde dem Land ein Zeitalter der Aufklärung und des allgemeinen Wohlstands der Gutverdienenden bevor, Deutschland werde eifersüchtig auf unsere Erfolge schielen.

Der Dozent nickte mit einem ironischen Lächeln und fuhr fort: »Am 30. Oktober 1781 verfügte der Sohn Maria Theresias, der seit 1765 mit seiner Mutter gemeinsam regiert hatte und nach deren Tod im Jahr 1780 die Stunde für weitreichende Umwälzungen gekommen sah, in einem Handschreiben die Auflösung sämtlicher Orden, die keine gesellschaftliche Arbeit leisteten. Davon waren 700 Klöster betroffen!« rief er. Die ersparten Gelder seien staatlichen Zwecken zugeführt worden. Tatsächlich sei der Eingriff in kirchliche Besitz- und Vermögensverhältnisse der Kern der Klosteraufhebungen gewesen. Der Herrscher habe nach der ungeteilten Macht gestrebt, Hochadel und hohe Kleriserei sollten von ihm dominiert werden, das gemeine Volk sowieso.

»Dass Joseph II. die verbliebenen kirchlichen Belange bis ins Detail regelte, eigene Messordnungen herausgab und eine staatliche Priesterausbildung in Generalseminaren mit dem Ziel der Schaffung ›josefinischer Pfarrer‹ verfügte, wurde von seinen Herrscherkollegen mit Spott bedacht. Der portugiesische König verordnete seinen Untertanen sogar öffentliche Gebetsstunden für den vom ›Teufel verblendeten Kaiser‹. Der Habsburger aber blieb unbeirrbar. Er war davon überzeugt, dass eine gesittete und disziplinierte Jugend wichtiger sei als eine gelehrte.

»Das ist bis heute der oberste Grundsatz österreichischer Schulpolitik«, bekräftigte Groll. »Deshalb fordert man nicht etwa die Abschaffung, sondern den Ausbau der Sonderschulen. UN-Behindertenkonvention hin, österreichischer Umsetzungsplan her – die gemeinsame Schule aller Kinder ist Teufelswerk.«

»Und die Lehrergewerkschafter«, fragte der Dozent nach. »Sie müssten doch für das Recht der Kinder auf Inklusion eintreten?«

Groll goss Wein nach.

»Verehrter Dozent! Sie verkennen das Wesen österreichischer Beamtengewerkschafter; es besteht vor allem darin, keine, auch nicht die geringste Änderung zuzulassen. Die Schule ist nicht für die Gesellschaft, die Eltern oder gar die Kinder da, die Schule hat den Interessen der Lehrer und Professoren zu dienen – und zwar ausschließlich. Im Bachmann-Gymnasium in Klagenfurt werden behinderte erwachsene Menschen aus Slowenien den Schülern vorgeführt wie seltene Tiere, man nennt das dann zynisch ›Inklusion‹. Und im benachbarten Moosburg, das mit einer karolingischen Pfalzburg wirbt, verfügen zwei Schulen, dass zwei syrische Flüchtlingskinder mangels Elternbeitrag an der Landschulwoche nicht teilnehmen können.* Kein Lehrer protestiert, kein Elternverein wird tätig. Wie in Klagenfurt: Auch dort kein Protest von Lehrern und Gewerkschaft angesichts eines entwürdigenden Umgangs mit behinderten Menschen.«

Der Dozent leerte sein Glas und sagte dann: »Ob es dieses Schulsystem war, das Joseph II. vorschwebte?«

Die Kinder durften – dank zweier Kollekten in Pörtschacher Kirchen – doch auf die Ausflüge mitfahren. Eine Selbstverständlichkeit ist im Österreich der Gegenwart eine Sache des Bettelns und des Mitleids.

Erwin Riess schrieb an dieser Stelle zuletzt am 22. November 2017 über den Tiroler Andreas Hofer. Sein neuester Groll-Roman ist im vergangenen Jahr unter dem Titel »Herr Groll und die Stromschnellen des Tiber« im Salzburger ­Otto-Müller-Verlag erschienen.


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