Aus: Ausgabe vom 08.02.2018, Seite 16 / Sport

Die schönsten Siege

In einem packenden Spiel bezwingt Bayer Leverkusen im DFB-Pokal Werder Bremen. Auch Bayern München steht im Halbfinale

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Schönes Spiel, hässliche Rudelbildung: Leverkusens und Bremens Spieler rangeln auf dem Platz (DFB-Pokal, 6.2.).

Daran war man im Hause Bayer gar nicht mehr gewöhnt: Leverkusen steht nach dem in der Verlängerung erkämpften 4:2 (2:2, 1:2)-Erfolg gegen Werder Bremen erstmals seit neun Jahren wieder im Halbfinale des DFB-Pokals. Karim Bellarabi (111. Minute) und Kai Havertz (118.) sorgten am Dienstag abend im Pokalwettbewerb für den ersten Leverkusener Sieg gegen Bremen im siebten Versuch. Alle vorherigen Cupduelle hatte Bremen für sich entschieden. Max Kruse (4., Foulelfmeter) und Aron Jóhannsson (7.) hatten Werder vor 25.653 Zuschauern früh in Führung gebracht, Julian Brandt mit einem Doppelpack (31., 55.) für den Ausgleich und die Verlängerung gesorgt.

Die Bremer waren vor der Partie mit dem Mannschaftsbus im Stau stecken geblieben und erst rund 50 Minuten vor dem Anpfiff in der Bay-Arena angekommen. Dennoch starteten die Gäste furios. Schon in der vierten Minute ging Werder in Führung. Leverkusens Nationalspieler Jonathan Tah stieg im Strafraum zu ungestüm gegen Kruse ein, der Bremer Stürmer verwandelte den fälligen Strafstoß sicher zum 1:0. Den umgehenden Ausgleich konnte Bremens Torwart Jiri Pavlenka mit einer spektakulären Parade gegen Leon Bailey verhindern. Statt dessen baute Werder den Vorsprung wenig später aus. Jóhannsson nutzte ein traumhaftes Zuspiel des starken Kruse zum 2:0. Werder-Coach Florian Kohfeldt hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt, womit der Tabellenzweite aus Leverkusen anfangs gar nicht zurechtkam. Erst nach einer halben Stunde fing sich die Bayer-Elf und zeigte einige gefällige Aktionen. Eine davon schloss der gebürtige Bremer Brandt nach etwas mehr als einer halben Stunde zum 1:2 ab.

Der besorgte mit einem Traumtor aus gut 18 Metern auch den Ausgleich – das Pokalspiel wurde nun endgültig zu einem packenden Schlagabtausch. Leverkusen riss die Partie an sich, verpasste es aber, in der regulären Spielzeit für die Entscheidung zu sorgen. Das änderte sich in der Verlängerung. Erst zirkelte Bailey einen Freistoß noch an den Pfosten (102.), doch dann schlugen der eingewechselte Bellarabi und Havertz in der zweiten Halbzeit der Verlängerung zu. Bayer-Trainer Heiko Herrlich war entsprechend erleichtert: »Wir waren nach dem 0:2 natürlich geschockt, aber unsere Mannschaft hat tolle Moral gezeigt. Das sind die schönsten Siege.«

Schön, wenngleich weniger spannend war auch der ungefährdete Sieg von Bayern München beim SC Paderborn. Mühelos zog das Team von Trainer Jupp Heynckes durch ein 6:0 (3:0) beim Drittliga-Tabellenführer aus Ostwestfalen zum neunten Mal in Folge ins Halbfinale des DFB-Pokals ein. Kingsley Coman (19. Minute), Robert Lewandowski nach Vorlage von Coman (25.) und Joshua Kimmich (42.) sorgten schon vor der Pause für klare Verhältnisse. Corentin Tolisso (55.) und Arjen Robben (86./89.) legten im zweiten Durchgang nach.

Wie von Trainer Steffen Baumgart gefordert, hatte der Drittligist ohne Angst begonnen. Paderborn setzte nicht nur auf Konter und griff den Rekordmeister früh an. Etwas Glück hatten die Münchner in der 8. Minute, als Lukas Boeder für den bis dahin erfrischend mutigen Außenseiter traf. Schiedsrichter Markus Schmidt pfiff aber Abseits. Dank der forschen Spielweise der Gastgeber boten sich den Bayern, die sofort spielfreudig und zielstrebig auftraten, schnell Räume. Der Rekordmeister nahm die Aufgabe offensichtlich sehr ernst. Paderborn sorgte trotzdem mehrfach für Gefahr und hatte Pech, als Ben Zolinski nur den Pfosten traf. (dpa/jW)


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