Aus: Ausgabe vom 29.01.2018, Seite 15 / Politisches Buch

über atomare Bedrohung und Abrüstung

Von Arnold Schölzel
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Von 1990 bis 2015 gab die »Dresdener Studiengemeinschaft Sicherheitspolitik e. V.« die Schriftenreihe Arbeitspapiere heraus. Als Fortführung erschienen im vergangenen Jahr drei Ausgaben von Multipolar – Zeitschrift für kritische Sicherheitsforschung im Potsdamer Wissenschaftsverlag, der auch das außenpolitische Monatsjournal Welttrends veröffentlicht. Im kürzlich erschienenen Heft 3/2017 von Multipolar teilt Lutz Kleinwächter, der Vorsitzende des Vereins Welttrends e. V., der Herausgeber der Zeitschrift ist, mit, diese werde »als eigenständige Publikation eingestellt« und thematisch in Welttrends integriert.

Schwerpunkt der damit letzten Multipolar-Ausgabe ist ein brennendes Thema: »Abrüstung und nukleare Bedrohung«. Im Editorial weist die Redaktion auf Aktuelles zur Problematik hin: Donald Trump will das atomare Arsenal der USA »verzehnfachen«, eingeplant sind für dessen Modernisierung in den nächsten 30 Jahren eine Billion US-Dollar. Es mute »wie eine Rebellion an«, dass eine Staatenmehrheit im Rahmen der Vereinten Nationen einen Verbotsvertrag für atomare Waffen aushandelte und am 7. Juli 2017 in New York verabschiedete – weder USA noch Bundesrepublik stimmten mit Ja. Der österreichische Diplomat Alexander Kmentt zeichnet in seinem Beitrag den Weg zu diesem Beschluss nach. Sascha Hach, in Deutschland Vorstandsmitglied der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Initiative ICAN, bewertet das Verbot als »Wendepunkt der nukle­aren Rüstungskontrolle«. Manfred Mohr und Gregor Schirmer analysieren das Abkommen aus völkerrechtlicher Sicht. Hubert Thielicke befasst sich mit kernwaffenfreien Zonen als »regionale Vorläufer des Verbotsvertrags«, Wolfgang Schwarz formuliert Thesen zu »Kernwaffen und internationale Sicherheit«.

Außerdem: Erhard Crome skizziert den »Weg in den Krieg 1914«. Katarzyna Kubiak stellt in einem materialreichen Artikel die 2010 in Lissabon beschlossene NATO-Raketenabwehr als Beeinträchtigung von Rüstungskontrolle und Abrüstung dar. Vornehmlich die USA bauten ein »weltumspannendes Netz« auf, das ihnen Zugriff auf Informationen über Raketenprogramme und Raketenstarts sichere. Eine klar definierte Bedrohung existiere aber nicht, Russlands Sorgen über die NATO-Pläne seien daher grundsätzlicher Natur. Multipolar-Chefredakteur David X. Noack formuliert abschließend »Ansätze einer Lösung für den Streit« um Südossetien.

Multipolar, Heft 3/2017, 108 Seiten, 9,90 Euro. Bezug: Potsdamer Wissenschaftsverlag, August-Bebel-Str. 26–52, 14482 Potsdam. Tel.: 0331/7212035, E-Mail: verlag@welttrends.de


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