• Pol & Pott

Aus: Ausgabe vom 27.01.2018, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Dreikönigskuchen

Wie man mit über vierzig Jahren total am Ende sein kann und trotzdem seine Würde und seinen Charme behält, zeigt der großartige Film »Camille – Verliebt nochmal« (Frankreich 2012) von Noémy Lvovsky. Camille (gespielt von der Regisseurin) ist eine Schauspielerin, die nur Szenen in drittklassigen Horrorfilmen bekommt, in denen sie nicht einmal reden soll, nur röcheln – wenn ihr gerade die Kehle durchgeschnitten wird. Schlimmer aber wirkt die Trennung von ihrem Mann nach, mit dem sie über zwanzig Jahre glücklich zusammengelebt hat. »Und puff war die Liebe bei ihm weg«, erzählt sie ihrer erwachsenen Tochter im alkoholisierten Zustand, der bei ihr allerdings ein Dauerzustand ist. Die Tochter zieht ihr ein schönes Kleid an und schickt sie zur Silvesterparty mit ihren alten Schulfreundinnen. Nach einem Sturz dort wacht Camille aus dem Koma in einem Krankenhaus auf – und ist auf einmal wieder 15 Jahre alt.

Auch wenn es erst einmal komisch für sie ist: Camille gewöhnt sich schnell an das Wunder und lebt nun noch einmal ihr altes Leben (allerdings im Körper einer Vierzigjährigen, was niemanden zu stören scheint). Absolut glücklich ist sie über die Anwesenheit ihrer Eltern, die schon lange tot sind. Auch die Freundschaft mit ihrer Mädchenclique genießt sie. Richtig interessant aber wird das Kennenlernen ihrer großen Liebe, Èric (Samir Guesmi), der alles tut, um sie zu erobern. Nur weiß Camille halt, wie es über zwanzig Jahre später ausgehen wird – und verliebt sich dennoch ein zweites Mal unsterblich in diesen Mann. Traurig ist der Film, weil sich die Dinge trotz der magischen Zeitreise nicht entscheidend verändern lassen. Und wieder stirbt Camilles Mutter nach ihrem 16. Geburtstag. Komisch sind die vielen Szenen, in der die reife Frau sich den Fragen und Problemen eines Teenagers stellen muss. Und herzzerreißend wird es, wenn Camille zwar begreift, dass sie diese Liebe in der Jetztzeit wahrscheinlich nicht wiederbeleben, aber glücklich sein kann über das, was war.

Camilles Eltern essen mit ihr zum Dreikönigstag (6. Januar) einen Dreikönigskuchen – ein Gebäck, das man entweder aus Hefeteig oder aus Rührteig herstellen kann und überall anders gemacht wird. Wir wählen eine Variante mit Rührteig, verstecken allerdings keine kleine Porzellanfigur darin, wie zumeist üblich, sondern gießen ein bisschen Eierlikör in den Teig: Eierlikör-Zitronen-Kuchen: Eine Biozitrone heiß waschen, Schale abreiben. Gugelhupfform ausfetten, ausmehlen. Backofen auf 175 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Vier Eier mit 200 g Puderzucker, Schalenabrieb und einer Messerspitze Vanillemark 15 Minuten mit dem Handrührgerät schaumig schlagen. Je 200 ml Limonen-Olivenöl und Eierlikör in die Schaummasse unterrühren. 100 g Speisestärke mit 100 g Weizenmehl, einem Päckchen Backpulver vermischen, sieben, unter die Eischaummasse ziehen. Teig in die vorbereitete Backform geben, glattstreichen. Einen Granatapfel halbieren, Kerne aus den Schalenhälften herauslösen, mit einem Löffel auf die Eierlikörkuchenmasse in die Gugelhupfform geben. Kuchen im vorgeheizten Ofen auf der mittleren Schiene etwa 40 Minuten backen.


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