Aus: Ausgabe vom 24.01.2018, Seite 15 / Antifa

Braune Soß in Nordbayern

Recherchebroschüre über rechte Gruppierungen und Netzwerke der Region erschienen

Von Uschi Panda
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Antifaschistische Proteste gegen einen rechten Aufmarsch im November 2013 im bayerischen Wunsiedel

Die Broschüre »Braune Soß aus Nordbayern« hat Ende vergangenen Jahres ein Autorenkollektiv aus der Region veröffentlicht. Bereits 2012 war ein Vorläufer erschienen, der sich mit dem Landkreis Franken beschäftigte. Auf knapp einhundert Seiten stellen die Autorinnen und Autoren nun eine seither neu entstandene Bewegung der politischen Rechten vor. Symptomatisch seien die langanhaltende Präsenz von Pegida-Ablegern und neonazistischen Gruppen, die Radikalisierung der rassistischen Alltagssprache, die eskalierende Gewalt gegen Geflüchtete und nicht zuletzt die Wahlerfolge der AfD. Letztere wird in zwei Kapiteln hinsichtlich Zusammensetzung, Strategien, Historie und Inhalten ausführlich betrachtet.

Um zu zeigen, wie antifaschistischer Widerstand gegen diese Bewegung aussehen kann, würdigt die Broschüre erfolgreiche Aktionen gegen rechte Umtriebe und zieht eine Bilanz der staatlichen Repressionen gegen die Proteste. Die Publikation befasst sich außerdem mit der »Identitären Bewegung« vor Ort, umtriebigen Einzelpersonen, aber auch nationalistischen Zusammenschlüssen von Migranten. Besonders interessant sind hier der Versuch, einen Nürnberger Ableger der neonazistischen Partei »Goldene Morgenröte« aus Griechenland zu gründen, sowie sein Scheitern an der schnellen Intervention der griechischen Community und antifaschistischer Gruppen.

Ein geschichtlicher Teil der Broschüre beleuchtet unter anderem die militaristische Tradition der Kriegsdenkmäler in der Region. Neben der klassischen Dokumentation von Vorfällen und Akteuren mit zahlreichen Fotos werden politische und gesellschaftliche Prozesse analysiert. So zum Beispiel die Strategie der beteiligten Neonazis nach dem Verbot des Kameradschaftsnetzwerks »Freies Netz Süd« 2014 in Form der Parteigründung von »Der Dritte Weg«. Die Kleinstpartei unterscheidet sich stark von anderen ihrer Art, denn sie legt keinen Wert auf den Einzug in Parlamente oder eine personelle Vergrößerung, sondern nutzt nur die Privilegien dieser Organisationsform für sich. Die personellen und inhaltlichen Überschneidungen des »Freien Netzes Süd« und der neuen Kaderpartei sei derart groß, dass man von einer »astreinen Nachfolgeorganisation« sprechen könne, so die Autoren.

Überregionale Bekanntheit erlangte »Der Dritte Weg« 2015, als er eine Karte mit Standorten von Unterkünften für Asylsuchende veröffentlichte. Im darauffolgenden Jahr kam es zu über 1.000 Angriffen auf derartige Einrichtungen in der Bundesrepublik. Auch diesen Vorfällen widmet die Broschüre ein Kapitel, das zu dem Fazit kommt, dass dieses flächendeckende Problem im Gegensatz zu anderen Gewaltphänomenen keinen gesellschaftlichen Diskurs ausgelöst habe, was auf die nichtweißen Opfer zurückzuführen sei.

Die Autoren erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit – ausgespart wird beispielsweise die NPD aufgrund ihrer gesunkenen Bedeutung in Nordbayern oder Immobilien sowie Treffpunkte rechter Akteure. Die breite Palette der vorgestellten Personen und Gruppen ermöglicht jedoch einen umfassenden Überblick, was die neueren Entwicklungen angeht. Ein Stichwort-, Personen- und Ortsregister vereinfacht die Recherche. Die von »Argumente – Netzwerk antirassistischer Bildung e. V.« herausgegebene Publikation ist für einen Selbstkostenpreis von sieben Euro erhältlich. Eine dritte Auflage, so bleibt zu hoffen, wird durch die Spende dann ermöglicht.

Mehr Informationen und Bestellmöglichkeit unter:

www.argumente-netzwerk.de


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