Aus: Ausgabe vom 23.01.2018, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft

Und plötzlich mehr Lohn

Lange haben die britischen Beschäftigten von McDonald’s für eine Entgelterhöhung gekämpft. Dann gab das Unternehmen nach – klammheimlich

Von Christian Bunke, Manchester
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Demonstranten unterstützen den Arbeitskampf der McDonald’s-Beschäftigten in Großbritannien (London, 4. September 2017)

Die Nachricht kam wie ein Dieb in der Nacht. Es gab keine großen Ankündigungen, keine Pressestatements. Eines Abends hing ein Zettel in britischen McDonalds-Filialen, der Lohnerhöhungen ankündigte. Falls das Unternehmen keine größere Aufmerksamkeit darauf lenken wollte, ist der Plan gescheitert. Ein Beschäftigter hat das Papier Anfang Januar der Tageszeitung Daily Mirror zugespielt. Diese veröffentlichte es prompt: Beschäftigte bei McDonald’s sollen mit Wirkung vom 21. Januar die größte Gehaltserhöhung seit zehn Jahren erhalten.

Am 10. September 2017 traten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zweier südenglischer Filialen für 24 Stunden in den Streik. Es war der erste Ausstand überhaupt auf britischem Boden in der Geschichte des Unternehmens. Die Streikenden forderten einen Mindeststundenlohn von zehn Pfund (etwa 11,30 Euro), ein Ende der ausbeuterischen und prekären »Zero hours«-Verträge und die Anerkennung der Nahrungsmittelgewerkschaft BFAWU.

Anders als in Dänemark, Frankreich und Deutschland erkennt McDonald’s in Großbritannien keine Gewerkschaften an. Die Beschäftigten, überwiegend Jugendliche oder junge Erwachsene, gingen mit ihrem Streik also ein großes Risiko ein. Groß war und ist aber auch der Leidensdruck. Das Unternehmen stellt überwiegend junges Personal an, um von der in der britischen Mindestlohngesetzgebung verankerten Altersdiskriminierung profitieren zu können. Junge Leute im Alter bis zu 21 Jahren sind am günstigsten zu haben. Erst ab 25 Jahren müssen die Maximallöhne gezahlt werden. Für McDonald’s bedeutete dies, den Lohn von 4,75 Pfund für Jugendliche bis hin zu 7,60 Pfund für »erwachsene« Beschäftigte staffeln zu können.

Seit dem 21. Januar erhalten Beschäftigte im Alter von über 25 Jahren zwischen acht und zehn Pfund pro Stunde. 21- bis 24jährige bekommen zwischen 6,75 und acht Pfund, 16- bis 17jährige 5,75 bis sieben Pfund die Stunde. Ohne den Streik im September hätte es diese Erhöhung wohl nicht gegeben.

BFAWU-Präsident Ian Hodson sagte in einer Stellungnahme: »Die Lohnerhöhung ist ein Schritt in die richtige Richtung für alle McDonald’s-Arbeiter. Doch es ist keinesfalls das Ende der Kampagne.« Den Erfolg hätten 30 organisierte Arbeiter erreicht, nun wolle man die Bewegung ausweiten.

Bei aller Freude gibt es tatsächlich keinen Grund, sich auszuruhen. Die Gehaltserhöhung gilt nur für jene Filialen, die direkt von McDonald’s betrieben werden. Die von Franchisenehmern betriebenen Filialen sind ausgespart. Auch das ist in Deutschland anders. Hier gelten die Tarifverträge auch für die Franchisenehmer. In Großbritannien kommen nur die Beschäftigten von 65 Prozent aller Filialen in den Genuss der Gehaltserhöhungen. Auch die Forderung nach einer Festanstellung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleibt unerfüllt.

Weshalb auch Labour-Parteichef Jeremy Corbyn den Gewerkschaftsaktivisten bei McDonald’s zwar gratulierte, gleichzeitig aber über Twitter mitteilte: »Der Kampf für einen Zehn-Pfund-Stundenlohn ist noch nicht vorbei.« Auch Labours wirtschaftspolitischer Sprecher John McDonnell gratulierte: »Ich zolle den jungen Kollegen Respekt, die bei McDonald’s eine Lohnerhöhung erkämpft haben. Es zeigt die wesentliche Rolle von Gewerkschaften und die Wichtigkeit, einer Gewerkschaft beizutreten.«


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