Aus: Ausgabe vom 23.01.2018, Seite 14 / Feuilleton

In der Cyberhölle

The Empire Strikes Back: Kingdom of the Synthetic
Königreich des Synthetischen: »The Empire Feeds Back« im Berliner Hebbel am Ufer

In den letzten Jahren machte die Gruppe Andcompany and Co. aus all ihren Bühnenperformances ausgesprochen gute Hörspiele beim WDR. Hoffentlich auch aus ihrer Neuesten: Am vergangenen Samstag hatte »The Empire Feeds Back« im Berliner Hebbel am Ufer (HAU1) Premiere. Das Stück spielt in einer eiskalten Cyberhölle inklusive schneeähnlichem Pixelsturm. Die drei Protagonisten wurden aus dem Internet dorthin verbannt. Sie sind sich keines Vergehens bewusst und machen sich daran, das System zu ändern. Zur Hilfe kommt ihnen der 1973 ermordete chilenische Präsident Salvador Allende. Er erteilt ihnen eine Lektion in Sachen Kybernetik und Sozialismus. Denn schon lange vor der Jahrhundertwende wurde mit dem Projekt »Cybersyn« (1971–73) in Chile eine computergestützte Wirtschaftsorganisation umgesetzt.

In einer ganz anderen Hölle fanden sich voriges Jahr viele Demonstranten beim Hamburger G-20-Gipfel wieder. Um die dortige Polizeigewalt geht es in Rainer Links Feature »Welcome to Hell – Warum der G-20-Gipfel im Desaster endete« (DLF 2018; Ursendung Di., 19.15 Uhr, DLF). Später untersucht Jörn Klare in »Abschied vom Faktor Mensch – Ein Feature über selbstfahrende Autos und die Moral der Algorithmen« (NDR 2016; Di., 20 Uhr, NDR Kultur), was passiert, wenn Maschinen sich als Moralphilosophen unter Beweis stellen müssen.

Den Komponistengenies Stockhausen und Sun Ra widmen sich Thomas von Steinaecker mit »Der Mann, der vom Sirius kam« (DKultur 2011; Mi., 0 Uhr, DLF Kultur) und Christoph Reimann mit »Re Search Sun Ra« (DKultur 2011; Mi., 0.35 Uhr, DLF Kultur). Auf die wunderbar niedrigschwellige und fehlertolerante Übertragungstechnik des Hörfunks und darauf, wie man sie nutzbar macht, geht die Sendung »Hopo Express goes ›How to make a radio‹« (Mi., 20 Uhr, FSK) ein.

Einen kritischen Blick auf den von der deutschen Bundeswehr in »sozialen Medien« heftig beworbenen Auslandseinsatz in Mali wirft Bettina Rühl in ihrem »ARD-Radiofeature« »Die Drogenbarone von Mali – Ein Feature über Kriegstreiber und eine Friedensmission« (WDR 2018; Ursendung Mi., 22 Uhr, SWR 2). Hermann Kretzschmar, Mitglied des Ensembles Modern, hat mit seinen Bandkollegen das neo­dadaistische Klangstück »Das Bad im Knall« (SWR 2018; Ursendung Do., 22 Uhr, SWR 2) umgesetzt und erforscht die Ästhetik von Explosivlauten, die hier zu einer Schwimmrunde durch verdichtete Luft werden. Warum man bei der Evangelischen Kirche in Deutschland auch heute noch ins Schwimmen kommt, wenn sie sich mit ihrer Rolle im Naziregime befassen soll, weiß die Sendung »›Jedermann sei untertan‹ – Deutscher Protestantismus im 20. Jahrhundert. Irrwege und Umwege. Und: Schön, daß uns die Arbeit ausgeht« (Fr., 10 Uhr, FSK). Weil man gar nicht oft genug Happy Birthday sagen kann, hier noch der Hinweis auf Arturas Bumsteinas’ »Art’s Birthday 2018: Thus time goes by« (DLF Kultur 2018; Ursendung Fr., 0 Uhr, DLF Kultur) und Thomas Ankersmits  »Treatise on Musical Objects« (DLF Kultur 2018; So., 23 Uhr, ORF Ö1) aus derselben Reihe. Ebenfalls aus der Klangkunstredaktion von DLF Kultur kam vergangenes Jahr der Gewinner des Karl-Sczuka-Preises: Olaf Nicolais  »Every Time A Ear di Soun 9: In the Woods There Is A Bird ...« (Documenta 14/DKultur 2017; Fr., 21 Uhr, Bayern 2).

Interessante Ursendungen sind Philine Velhagens Big-Data-Surveillance-Blues »I am your private dancer« (WDR 2018; Sa., 19 Uhr, WDR 3 und So., 17 Uhr, WDR 5) und Adaption von Leon de Winters Roman »Geronimo« (NDR 2018; Teil 1/4 Sa., 21 Uhr, NDR Info) über die Hinrichtung von Osama bin Laden.


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