Aus: Ausgabe vom 20.01.2018, Seite 3 / Schwerpunkt

Trump: Die Karriere eines Trickbetrügers

Von Arnold Schölzel
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Weltweiter Bestseller: Das Buch »Fire and Fury« von Michael Wolff war schnell vergriffen (Liverpool, 11.1.2018)

Vor zwei Wochen erschien in den USA das Buch des US-Journalisten Michael Wolff, »Fire an Fury« (»Feuer und Wut«). Der Autor fasst darin seine Notizen über das Innenleben der Wahlkampfmannschaft Donald Trumps und die ersten etwa 200 Tage von dessen Präsidentschaft zusammen, konzentriert sich vor allem auf Intrigen und Klatsch. Er beschreibt aber auch Entscheidungsfindungen in wichtigen politischen Fragen, so z. B. über die Aufstockung des US-Truppenkontingents für den Afghanistan-Krieg. Trump lagen demnach drei Entwürfe vor: Rückzug, Einsatz privater Söldner oder Erhöhung. Der Präsident habe sich für letzteres entschieden, so Wolff, weil die beiden anderen Vorschläge auf eine Niederlage der USA hinausliefen. Das stehe für ihn außerhalb jeder Diskussion.

Wolff äußert sich nicht generell über Trumps Persönlichkeit. Das macht der US-Publizist David Cay Johnston in seinem soeben auf deutsch erschienenen Buch »Trump im Amt« dagegen überreichlich. Der Immobilienhändler ist nach ihm »nicht nur im klassischen Sinn des Wortes ein Idiot«, sondern »ungeeignet für jedes öffentliche Amt«, »eine klare und sehr reale Gefahr für die gesamte Welt«, ein Mann, der nur wegen seiner psychischen Probleme »aus vier Strafverfahren vor Grand Juries« ohne Verurteilung herausgekommen sei. Trump blicke »auf ein Leben als Trickbetrüger« zurück. Präsident habe er nur werden können, weil eine Gesellschaft, deren Ziel allein die unbegrenzte Bereicherung ihrer reichsten Mitglieder und Ignoranz gegenüber dem Gros der Bevölkerung zu sein scheine, »den eigenen Untergang« riskiere.

Johnston kennt Trump seit 1988, hat ihn oft gesprochen und ein umfangreiches Archiv angelegt. Im Sommer 2016 erschien auf dieser Grundlage bereits sein Buch »Die Akte Trump«. Wie jener Band enthält auch der neue Details der Vermögens- und Einkommensverhältnisse Trumps, der sein Staatsamt ungeniert für privaten Vorteil nutzt. Johnston zerlegt die Legende vom »Jobmagier« und schildert den Schulterschluss mit der Wall Street, arbeitet sich an den Themen Migration, Grenzmauer, Klimawandel und Rassismus ab, verzichtet aber auf eine Darstellung der Außen- und Militärpolitik. Johnston äußert lediglich den Verdacht, Trump sei Moskau irgend etwas »schuldig«. Sein Band trägt so Details zu Trumps Biographie bei, Entscheidendes aber fehlt.

David Cay Johnston: Trump im Amt. Ecowin-Verlag, Salzburg/München 2018, 460 Seiten, 25 Euro

Michael Wolff: Fire and Fury. Inside the Trump White House. Little, Brown, London 2018, 336 Seiten, 17,74 Euro


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