Aus: Ausgabe vom 12.01.2018, Seite 16 / Sport

Götterdämmerung

Drei einstigen Dynamo-Dresden-Helden fehlt bei ihren neuen Klubs das Glück

Von Olaf Lynngard
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Hallo Ergänzungsspieler! Michael Hefele vor dem Heimspiel von Huddersfield gegen Burnley am 30. Dezember

Sie waren einmal Stars. Sie spielten zwar unterklassig, wurden aber als Götter gefeiert. Doch für Justin Eilers (29), Michael Hefele (27) und Marvin Stefaniak (22) ist diese erfolgreiche Zeit vorerst vorbei. Nach ihrem Wechsel in höhere Gefilde, weg von Dynamo Dresden, sind sie mehr oder weniger abgemeldet.

In den letzten Jahren entwickelte sich der Zweitligist zu einem Sprungbrett für junge, gutausgebildete Fußballer, nach einem Konzept von Sportdirektor Ralf Minge, dem Dynamo-Urgestein. Nach dem bitteren Abstieg in die Dritte Liga 2014 hatte man vor einem Scherbenhaufen gestanden, dank Minge ging man nicht weiter runter. Er schaffte es, unter finanziell widrigen Bedingungen einen jungen Kader mit Perspektive zusammenzustellen. Justin Eilers wurde von der zweiten Mannschaft des VfL Wolfsburg losgeeist und avancierte gleich zum Torgaranten und absoluten Liebling der Kurve.

Aber Erfolg ist teuer. Topspieler konnte Minge nicht über die vereinbarten Vertragslaufzeiten hinaus halten. In der Aufstiegssaison 2015/16 wurde Eilers mit 23 Treffern Torschützenkönig der Dritten Liga. Damit hatte er sich direkt ins Oberhaus geschossen. Mehrere Bundesligisten buhlten um den torgefährlichen Flügelspieler. Das Rennen machte Werder Bremen. Der zweite Aufstiegsheld Michael Hefele wechselte ablösefrei nach England in die zweite Liga zu Huddersfield Town. Der jüngste der drei Dresdner Fußballgötter, Marvin Stefaniak, blieb zwar seinem Klub treu, verhandelte aber in seinen neuen Vertrag eine Ausstiegsklausel. Diese griff ein Jahr später, der VfL Wolfsburg bezahlte zwei Millionen Euro für das dynamische Toptalent.

Glücklich wurde keiner der drei. Eilers bestritt seither verletzungsbedingt noch kein einziges Bundesligaspiel. Er durfte nur Bremen II und hatte eine Hüftverletzung, der eine Leistenoperation folgte und dann im Mai 2017 auch noch ein Kreuzbandriss. Während der Reha ereilte ihn dann ein Muskelfaserriss im Oberschenkel – wann Eilers wieder ins Training einsteigt, ist ungewiss. Ein ähnliches Schicksal durchlebt Stefaniak. Eine Verletzung in der Vorbereitung warf ihn weit zurück. Bisher hat er noch kein Pflichtspiel für den VfL absolviert.

Abwehrrecke Hefele war zumindest in seiner ersten Saison Stammspieler bei Huddersfield Town und stieg mit dieser Mannschaft sogar überraschend in die Premier League auf. Seitdem ist sein Typ immer seltener gefragt. Nur ein Spiel bestritt der kopfballstarke Spieler bisher in der höchsten Liga Englands. Auch ihn warfen Verletzungen zurück.

Welche Perspektive haben die drei ehemaligen Dresdner Fußballgötter? Während Hefele zumindest eine kleine Chance hat, sich wieder einen Stammplatz zu erkämpfen, wird es für Eilers möglicherweise nicht einmal für das lang ersehnte Erstligadebüt reichen. Die interne Konkurrenz ist einfach zu stark. Einzig Stefaniak hat langfristig das Potential für einen Stammplatz in der Bundesliga. Nie wieder werden sie in ihrer Karriere so in den Himmel gehoben werden wie in Dresden. Ihr sportlicher Aufstieg war Abstieg in irdische Gefilde.


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