Aus: Ausgabe vom 12.01.2018, Seite 8 / Ansichten

Trostpreisträger des Tages: Antoni Macierewicz

Von Reinhard Lauterbach
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Der ehemalige Verteidigungsminister Antoni Macierewicz fährt am 3. November 2015 in Warschau im Auto davon

Antoni Macierewicz kämpfte sichtlich mit den Tränen, als er am Dienstag mit klingendem Spiel als Verteidigungsminister verabschiedet wurde. Rein menschlich kann man das sogar verstehen: Hat er nicht subjektiv alles getan, um Polens Schild und Schwert aufzupolieren? Die Militärausgaben drastisch erhöht auf 2,5 Prozent des Sozialprodukts, mit einer »Perspektive zum Aufwuchs« auf 3 Prozent? Eine eigene Teilstreitkraft aus »patriotischen« Freiwilligen zur Verteidigung gegen Putins »grüne Männchen« aufgestellt, um dem Russen keinen Fußbreit polnischen Bodens zu überlassen? Was hat der Mann nur falsch gemacht, dass er gehen musste?

Abgesehen von PiS-internen Cliquenkämpfen, die dem Außenstehenden egal sein können, ist er mit seinem Übereifer offenbar beim großen Bruder angeeckt: Wie polnische Medien am Mittwoch berichteten, hatte sich die US-Regierung bei PiS-Chef Kaczynski über seine »Unprofessionalität« beschwert. In der Tat, was soll das denn: Erst eine Ausschreibung über die Beschaffung von 50 Kampfhubschraubern aufheben, weil die Falschen (Airbus) sie gewonnen hatten, dann freihändig amerikanische Maschinen bestellen und anschließend über die Preisforderung des US-Herstellers (umgerechnet 10 Milliarden Euro) meckern und den Kauf aufschieben? Und dann seine Erklärung, 2030 solle Polen fähig sein, sich aus eigener Kraft zu verteidigen? Misstraute da etwa einer dem Bündnis mit den USA?

Immerhin: Eine Anschlussverwendung für Macierewicz war schnell gefunden. Am Donnerstag ernannte ihn sein Nachfolger Mariusz Blaszczak zum Chef der parlamentarischen Sonderkommission zur neuerlichen Untersuchung des Absturzes der Präsidentenmaschine in Smolensk. Da kann er nun bis zu seinem seligen Ende seinem Hobby nachgehen und Verschwörungstheorien pflegen. Aber die Verrücktenquote der NATO ist mit Donald Trump offenbar ausgeschöpft.


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