Aus: Ausgabe vom 28.12.2017, Seite 1 / Inland

Hacker warnen vor Überwachung

In Leipzig startete der 34. Chaos Communication Congress. 15.000 Teilnehmer erwartet

Von Marc Bebenroth
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In diversen Workshops üben sich Jung und Alt vier Tage lang im Hacken

Seit Mittwoch tauschen sich Hacker, Technikbegeisterte und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt in Leipzig auf dem 34. »Chaos Communication Congress« (34C3) über aktuelle Entwicklungen und Erkenntnisse in der Informationstechnologie aus. Veranstalter der viertägigen Konferenz ist der Chaos Computer Club (CCC). Dessen Sprecherin, Constanze Kurz, kritisierte am Mittwoch im Deutschlandfunk, die amtierende Bundesregierung habe eine Debatte über Themen wie die IT-Sicherheit verweigert. Sie vermutet, dass hinter der Nichtbefassung im »Bereich der staatlichen Überwachung und des staatlichen Hackens auch eine gewisse Absicht« steckt, die »Debatte möglichst kleinzuhalten« Dies nicht zuletzt deshalb, weil die Koalition viele neue Überwachungsstrukturen aufgebaut habe.

Von 2003 bis 2011 fand die Veranstaltung im Berliner Congress Center statt, in den folgenden Jahren zog sie nach Hamburg um, wo die Teilnehmerzahl auf bis zu 13.000 stieg. In diesem Jahr findet der Hackerkongress zum ersten Mal auf dem Leipziger Messegelände statt. Nach CCC-Angaben haben sich rund 15.000 Menschen angemeldet. Das diesjährige Motto lautet »tuwat«. Das Wort ist ein Rückgriff auf die Anfänge des CCC. 1981 hatte der 2001 verstorbene Clubgründer Wau Holland zu einem »TUWAT«-Treffen in die Berliner Redaktionsräume der Taz geladen, die Parole hatte er von der Hausbesetzerbewegung übernommen.

In Leipzig stehen Vorträge und Workshops zu Schwachstellen von Computertechnik und Internetanwendungen, zu Lauschangriffen und Datenschutz sowie zu aktuellen politischen Themen auf dem Programm. Unter anderem ein Vortrag zum von der chinesischen kommunistischen Partei geplanten, digitalen »System für soziale Vertrauenswürdigkeit«. Bis zum Jahr 2020 soll demnach für jeden Bürger des Landes verpflichtend ein Sozialpunktekonto eingerichtet werden, auf dem sein Verhalten erfasst und bewertet wird. Auf der Grundlage des erreichten »Scores« sollen bestimmte Dienstleistungen gewährt oder verweigert werden können. (mit dpa)


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