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05.12.2017, 09:15:35 / Titel

Großes Aufgebot

Bundesweit Razzien gegen G-20-Aktivisten. Polizei durchsucht 24 Wohnungen und linke Stadtteilzentren

Polizisten stehen am 05.12.2017 in Göttingen vor dem Roten Zentr
Polizisten stehen am 05.12.2017 in Göttingen vor dem Roten Zentrum

Rund fünf Monate nach den Protesten gegen den G-20-Gipfel in Hamburg hat es am Dienstag morgen bundesweite Razzien gegen linke Aktivisten gegeben. Seit sechs Uhr wurden Wohnungen und Objekte in mehreren Bundesländern durchsucht, wie die Hamburger Polizei mitteilte. Nach einem Bericht des Norddeutschen Rundfunks (NDR) habe die Polizei konkrete Anhaltspunkte, dass die Auseinandersetzungen mit der Polizei vom Juli von »Linksautonomen« teilweise gezielt geplant und organisiert wurden. Nach NDR-Informationen durchsuchte die Polizei seit dem Morgen insgesamt 24 Objekte in acht Bundesländern, darunter private Wohnungen und linke Stadtteilzentren unter anderem in Göttingen und Stuttgart. Nach einem Bericht der Zeitung Die Welt gab es auch Razzien in Köln, Bonn und Stuttgart. In Hamburg durchsuchten Beamte demnach die Wohnung eines mutmaßlichen Mitglieds der Gruppe »Roter Aufbau Hamburg«.

Die Durchsuchungen stehen demnach im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt laut Welt gegen 21 Männer und Frauen, die beim G-20-Gipfel im Juli an einem Demonstrationszug in der Hamburger Straße Rondenbarg beteiligt gewesen sein sollen, gegen den die Polizei mit äußerster Härte vorgegangen war. Mit den Razzien sollten den Berichten zufolge mögliche Beweismittel beschlagnahmt und neue Erkenntnisse zu Vorbereitungshandlungen gewonnen werden. Auch der Zug eines sogenannten schwarzen Blocks durch die Elbchaussee mit zahlreichen brennenden Autos und Sachbeschädigungen wurde nach NDR-Recherchen offenbar durch geheime Depots vorbereitet. Es gebe Belege für Depots mit Vermummungsmaterial, schwarzer Kleidung und Pyrotechnik, die systematisch am Rande von Demonstrationsrouten angelegt worden sein sollen.

Die Ermittler der Sonderkommission »Schwarzer Block« vermuten hinter den Aktivisten vornehmlich Täter aus dem Ausland, halten aber Deutsche für Logistiker und Organisatoren. Soko-Leiter Jan Hieber sagte dem NDR, dass »die Hamburger Szene speziell Verantwortung getragen hat für Logistik in allen Bereichen, das schließt durchaus auch die Militanten ein«. Es habe eine monatelange Vorbereitung gegeben, daraus sei ein Netzwerk »auf Zeit geknüpft« worden, sagte Hieber. Die Ermittler werten derzeit noch riesige Mengen an Bildmaterial aus.

Am Mittag informierte die Polizei in ihrem Hamburger Präsidium auf einer Pressekonferenz über den Einsatz. Angekündigt wurde eine weitere Ausweitung der Öffentlichkeitsfahndung nach mutmaßlichen G20-Randalierern. Deren Identifizierung gestalte sich schwierig. Insgesamt soll die Arbeit der Soko inzwischen bereits zu rund 3000 Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit Krawallen und Plünderungen geführt haben. (jW/AFP)


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