Aus: Ausgabe vom 11.12.2017, Seite 1 / Ausland

Mordsgeschäft mit Waffen

SIPRI-Bericht: US-amerikanische und deutsche Konzerne profitieren von Krieg

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Exportschlager Panzer: Modell eines »Leopard« des deutschen Herstellers Krauss-Maffei-Wegmann bei einer Rüstungsmesse in Singapur (17.2.2016)

Die imperialistischen Kriege sind ein profitables Geschäft. Im vergangenen Jahr ist der Umsatz der 100 größten Rüstungsunternehmen und militärischen Dienstleistungen auf 374,8 Milliarden US-Dollar (rund 316 Milliarden Euro) gestiegen, wie das schwedische Friedensforschungsinstitut SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute) berichtete. Nach fünf Jahren des Rückgangs nahmen die Waffenverkäufe damit erstmals wieder zu – im Vergleich zu 2015 um 1,9 Prozent.

Das sei angesichts der anhaltenden politischen Spannungen und laufenden Militärkonflikte in mehreren Ländern zu erwarten gewesen, erklärte SIPRI. Außerdem hätten mehrere Staaten ihr Militär »modernisiert« und neue Waffensysteme eingeführt, heißt es in dem Bericht.

Mehr als zwei Drittel (217 Milliarden US-Dollar) der Rüstungseinnahmen gingen an US-amerikanische Unternehmen, die rund vier Prozent mehr verkauften. Dafür hätten zum einen US-Militäroperationen im Ausland gesorgt, zum anderen hätten andere Länder Waffensysteme »made in USA« erworben. Mit seinen Waffen und den »F-35«-Kampfflugzeugen habe Weltmarktführer Lockheed Martin 10,7 Prozent mehr Umsatz gemacht, sagte Aude Fleurant, Direktorin des Waffen- und Militärausgabenprogramms von SIPRI.

Auch europäische Rüstungskonzerne machen weiterhin ein gutes Geschäft. Nach einem Anstieg im Vorjahr blieben ihre Verkäufe laut dem SIPRI-Bericht stabil. Der Umsatz betrug rund rund 77 Milliarden Euro. Allein in Deutschland stieg er indes um 6,6 Prozent, vor allem getrieben durch den »Leopard«-Panzer-Hersteller Krauss-Maffei-Wegmann und Rheinmetall. »Beide Unternehmen haben von der Nachfrage nach Waffen in Europa, im Mittleren Osten und in Südostasien profitiert«, erklärte SIPRI-Forscher Pieter Wezeman.

Die russischen Produzenten steigerten ihre Verkäufe um 3,8 Prozent – weit weniger als in den Vorjahren. Grund seien große wirtschaftliche Schwierigkeiten dort, heißt es in dem Bericht. In Südkorea dagegen habe die zunehmende regionale Bedrohung dafür gesorgt, dass nicht nur Waffen eingekauft wurden, sondern auch die eigene Rüstungsindustrie immer stärker angekurbelt wurde. (dpa/jW)


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