Aus: Ausgabe vom 05.12.2017, Seite 8 / Abgeschrieben

Zehntausende für Glyphosat-Verbot

Anlässlich des Weltbodentages, der jährlich am 5. Dezember begangen wird, fordert die Brandenburger Sektion der Umweltschutzorganisation BUND die Landesregierung in Potsdam auf, den Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat zu reduzieren. Es schädige die Bodenorganismen und bedrohe damit das empfindliche Ökosystem.

»Der Einsatz von Glyphosat stellt keine klima- und bodenschonende Bewirtschaftung dar, wie gerne behauptet. Er bringt kaum Vorteile für den Erosionsschutz, hat aber deutliche Nebeneffekte auf Bodenorganismen wie Regenwürmer«, stellt Carsten Preuß, Vorsitzender des BUND Brandenburg, klar. »Damit kann der Boden durch regelmäßigen Glyphosateinsatz in seiner Struktur und Fruchtbarkeit dauerhaft geschädigt werden.«

Ein häufiges Argument der Glyphosat-Befürworter ist, dass durch seinen Einsatz weniger gepflügt werden müsse, was die Erosion reduziere. Statt den Acker nach der Ernte und vor der Aussaat umzupflügen, spritzen die Landwirte das Totalherbizid, um das Unkraut abzutöten.

Doch es gehe auch ohne Gift, meint Carsten Preuß. »Zwischenfrüchte oder Untersaaten schützen den Acker vor Erosion und fördern gleichzeitig einen gesunden Boden, da die Wurzeln dieser Pflanzen den Boden auflockern und stabilisieren. Insbesondere die Einbringung von Mist oder Gründüngung erhöhen den Kohlenstoffanteil im Boden und kommen den Bodenlebewesen zugute. Auch eine Abkehr von den riesigen Monokulturen hilft, den Einsatz von Ackergiften zu verringern. Beim nachhaltigen Pflanzenanbau werden Fruchtfolge, Zwischenfrüchte und Untersaaten so aufeinander abgestimmt, dass unerwünschte Wildkräuter unterdrückt werden und Schädlinge sich nicht rapide ausbreiten können. Zusätzlich kann eine mechanische Unkrautbekämpfung erfolgen.«

Nachdem die Zustimmung Deutschlands dazu geführt hatte, dass Glyphosat in der EU für fünf weitere Jahre zugelassen wurde, sieht Preuß auch die brandenburgische Regierung in der Pflicht: »Wir fordern Ministerpräsident Dietmar Woidke auf, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, den Glyphosateinsatz in Brandenburg zu reduzieren. Mindestens auf Landesflächen sollte der Einsatz ganz verboten werden. Gewässerrandstreifen, auf denen keine Pestizide eingesetzt werden dürfen, sind wichtig, damit das Glyphosat nicht in das Wasser gelangt. Damit die Landwirte sich besser auf eine zukunftsfähige Landwirtschaft einstellen können, muss die Regierung den ökologischen Landbau konsequent fördern.«

Der BUND-Bundesverband hat nach der Entscheidung für die Glyphosat-Verlängerung eine Onlineaktion gestartet. Unter https://aktion.bund.net/gemeinsam-gegen-glyphosat haben in einer Woche bereits über 45.000 Menschen von Bundeskanzlerin Angela Merkel ein nationales Glyphosat-Verbot gefordert.

Die Internationalen Bodenkundliche Union (IUSS) hat im Rahmen ihres 17. Weltkongresses im August 2002 in Bangkok den 5. Dezember zum Weltbodentag (World Soil Day) ernannt. Mit ihm soll jährlich ein Zeichen für die Bedeutung der natürlichen Ressource Boden gesetzt werden.

Jetzt aber Abo!

Debatte

Bewerte diesen Artikel:

Neue Ausgabe vom Montag, 18. Dezember erschienen — jetzt einloggen! Oder abonnieren.
Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Regio: