Aus: Ausgabe vom 02.12.2017, Seite 8 / Abgeschrieben

Höcke vorgeführt

Das »Zentrum für politische Schönheit« (ZPS) veröffentlichte am Freitag Details zu seiner »zehnmonatigen Überwachungsarbeit« rund um den AfD-Politiker Björn Höcke:

Das Zentrum für politische Schönheit hat heute mit der Veröffentlichung eines Youtube-Videos Einblick in die »zehnmonatige Überwachung« des Rechtsextremisten Björn Höcke gegeben. Höcke, der sich als Opfer einer »terroristischen Vereinigung« sieht, hat in Wahrheit den Großteil der über ihn veröffentlichten und auf der Webseite verwendeten Informationen selbst über soziale Medien veröffentlicht. Das Zentrum für politische Schönheit hat dieses Profil seit zehn Monaten überwacht und dort veröffentlichte Posts analysiert und zugehörige Standorte nachrecherchiert.

»Mit einer aufwendigen Filmproduktion«, so Stefan Pelzer, Eskalationsbeauftragter des ZPS, »bei der auf die Präsentation von billigstem Überwachungsspielzeug und lächerlichen Kostümen gesetzt wurde, schaffte es das ZPS überraschenderweise, den Eindruck einer lückenlosen Überwachung zu vermitteln.« In dem angeführten Video tauchen unter anderem Schauspieler mit Trenchcoats von Penny auf, und ein Mensch im Chewbacca-Kostüm läuft mit einem überdimensionalen Teleobjektiv über eine Wiese. Diese absurden Bilder, gepaart mit Informationen, die Höcke öffentlich bei Facebook und in Interviews preisgab, reichten offensichtlich aus, um Höcke in eine optische Fata Morgana zu locken, in der er sich selbst über zehn Monate als »nackt« und »vollständig aufgeklärt« sah. Es sei eine Technologie verwendet worden, »die man als professionell bezeichnen muss. Es hat Einsatz von Teleobjektiven gegeben«. Das ZPS bezeichnete er in Folge als »terroristische Vereinigung«.

Eine besonders skurrile Rolle kommt dem Thüringer Landtagspräsidenten Christian Carius zu. Carius machte sich, ob der gnadenlos überzeichneten Bilder, vor dem Thüringer Landtag zum Horst, indem er eine flammende Rede für Höckes Privatsphäre hielt. »Wir hätten uns von ihm im Jahr 2011 ein ähnliches Engagement gewünscht«, so Stefan Pelzer. »Damals stimmte er aber für die Aufhebung der Immunität von Abgeordneten, die friedlich just jene Nazidemonstration in Dresden im Februar 2010 blockierten, an der ein gewisser Björn Höcke, damals verbeamteter Lehrer in Hessen, im Neonazi-Demonstrationszug lautstark (…) gebrüllt hatte.«

Bei Björn Höcke handelt es sich um einen der exponiertesten Rechten des Landes, der seine obskuren Thesen vor Hunderttausenden verbreitet. Als die große Koalition die Handydurchsuchung von Asylbewerbern beschloss, war der Applaus in seinem Lager groß. Wenn man aber auch nur in die Nähe seiner eigenen Privatsphäre kommt, ist man eine Terrororganisation.

https://landolf-ladig.de

Klaus Ernst, stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag, kommentierte am Freitag die Zugeständnisse von Lufthansa auf Druck der EU-Kommission:

Es ist zu begrüßen, dass die EU-Kommission den Lufthansa-Air-Berlin-Deal in Frage stellt. Die Bundesregierung hat hierbei komplett versagt und sich allein zur Interessenvertretung von Lufthansa gemacht. Ihr Ziel war es, wie Verkehrsminister Dobrindt es formulierte, »einen deutschen Champion im internationalen Luftverkehr« zu schaffen. Wettbewerbsaspekte, Verbraucherschutz und Beschäftigteninteressen spielten keine Rolle.


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