Aus: Ausgabe vom 02.12.2017, Seite 8 / Ansichten

Tierschützer des Tages: Philip Hogan

Von Jana Frielinghaus
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Die Wege der EU-Kommission sind unergründlich. Im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (Freitag) gab der Brüsseler Agrarressortchef Philip Hogan den Verteidiger des Wolfes, dessen Bestand in Deutschland wächst und wächst. Vertreter der Spezies Canis lupus reißen hierzulande inzwischen jedes Jahr Hunderte Schafe und Kälber. Für die betroffenen Bauern gibt es zwar Beihilfen zum Zaunbau. Die Tätigkeit des Wolfes sorgt dennoch dafür, dass Landwirtschaft sich noch weniger lohnt. Trotzdem steht der Schutz des eleganten Raubtiers weiter über allem. Das bekräftigte der Kommissar in Reaktion auf einen Brief des derzeit wegen seiner Zustimmung zur Lizenzverlängerung für das Herbizid Glyphosat heftig unter Beschuss stehenden deutschen Agrar­ministers. Der hatte bei Hogan um Genehmigung für eine eingeschränkte Bejagung nachgesucht.

Angesichts des Eintretens der Kommission für die erneute Zulassung des Agrargifts Glyphosat, das – wie andere Pestizide auch – für den dramatischen Rückgang der Artenvielfalt bei Insekten und Vögeln mitverantwortlich ist, wirkt ihr Festhalten am uneingeschränkten Schutz einzelner Spezies bizarr. Der ebenfalls unter Schutz stehende Biber verursacht an Elbe und Oder jedes Jahr Millionenschäden im Deichsystem. Zugleich nehmen die Hilfsmaßnahmen für den umtriebigen Nager mittlerweile groteske Ausmaße an. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten zum Beispiel teilte kürzlich mit, man werde die im Potsdamer Park Sanssouci lebenden Biber in den Templiner See umsiedeln – für schlappe 35.000 Euro. Der Grund: Die Tierchen haben mittlerweile Schäden in Höhe von mehr als 100.000 Euro angerichtet. Die Förderung von Wolf, Biber, Steinkauz und Co. könnte dennoch einen tieferen Sinn haben: eine andere Spezies aus bestimmten Gegenden zu vergrämen. Es gibt schließlich etliche Ökonomen, die für strukturschwache Regionen den geordneten Rückzug des Menschen fordern.


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  • Axel Pleuser: Mensch und Tier Da muss einen doch der Verdacht beschleichen, dass Frau Frielinghaus einen Bauernhof hat. Anders ist mir dieser kausale GAU nicht zu erklären. Da hat die subventionierte konventionelle Landwirtschaft ...
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