Aus: Ausgabe vom 28.11.2017, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft

Lehrkräfte fordern Tarifvertrag

Warnstreiks an Schulen der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

Von Claudia Wrobel
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Lehrerstreik bei den Schulen der Jüdischen Gemeinde zu Berlin am Mittwoch

Tarifverträge fallen nicht vom Himmel. Diese Erfahrung müssen Beschäftigte immer wieder machen. Deshalb legten Beschäftigte des Jüdischen Gymnasiums Moses Mendelssohn und der Heinz-Galinski-Schule in Berlin in der vergangenen Woche am Mittwoch und Donnerstag die Arbeit nieder. Sie fordern mit ihrem Warnstreik die Jüdische Gemeinde der Hauptstadt zu Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf. Dabei sollen sowohl Fragen des Einkommens als auch generell der Arbeitsbedingungen geklärt werden. Nach Angaben der Gewerkschaft beteiligten sich zwei Drittel aller Lehrkräfte an dem Ausstand.

Die Gewerkschaft fordert eine Bezahlung, die sich an jener der Tarifbeschäftigten des Landes Berlin orientiert. Dabei versicherte Udo Mertens, Leiter des Vorstandsbereichs Beamten-, Angestellten- und Tarifpolitik der GEW Berlin, dass es um einen Tarifvertrag gehen solle, »der den besonderen Bedingungen in der Jüdischen Gemeinde Rechnung trägt«. Darüber zumindest in Verhandlungen zu treten, versucht die Gewerkschaft bereits seit einigen Jahren. 2014 und 2015 hatte sie zu Warnstreiks aufgerufen, im Mai dieses Jahres mal wieder die Aufnahme von Tarifverhandlungen angemahnt. Alles bisher erfolglos. In der Juni-Ausgabe der Zeitschrift Jüdisches Berlin verwies der Vorsitzende der Gemeinde in Berlin, Gideon Joffe, darauf, dass die meisten Lehrkräfte an Privatschulen weniger verdienen als ihre Kollegen an öffentlichen Einrichtungen, weil der Staat nur 93 Prozent des Lehrergehalts an Schulen in freier Trägerschaft übernehme.

Statt Tarifverhandlungen gab es nach Angaben der Gewerkschaft Zusagen, schulinterne Regelungen zu treffen und daran die Lehrkräfte zu beteiligen. Diese bemängeln aber, dass dies nie geschehen sei. »Es ging nur darum, Tarifverhandlungen zu verhindern und dem Engagement der Kolleginnen und Kollegen die Spitze zu brechen«, bemängelte GEW-Verhandlungsführer Mertens bereits im Mai.

»Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber geht zurück, während die Schülerzahl extrem ansteigt. Dadurch verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen der Pädagoginnen und Pädagogen an den jüdischen Schulen teilweise dramatisch«, erläuterte Heike Zeisig, Leiterin des Vorstandsbereichs Beamten-, Angestellten- und Tarifpolitik der GEW Berlin ebenfalls im Mai laut einer Erklärung der Gewerkschaft. Nach Angaben der Jüdischen Allgemeine unterstützen die Gesamtelternvertreter der Heinz-Galinski-Schule die Forderungen der Lehrkräfte.


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