Aus: Ausgabe vom 27.11.2017, Seite 8 / Ansichten

Feindesfraß des Tages: Burger und Pommes

Von Reinhard Lauterbach
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Hier gibt es die »Produkte ausländischer Agenten«

Man muss sagen, die Russen haben ihren Gramsci gelesen, auch wenn viele von ihnen nichts mehr vom Kommunismus wissen wollen. Vor ein paar Tagen ging ein Abgeordneter der Regierungspartei »Einiges Russland« mit dem Vorschlag an die Öffentlichkeit, künftig McDonald’s, Kentucky Fried Chicken und ähnliche Fastfoodanbieter zu verpflichten, sich als »ausländische Agenten« registrieren zu lassen. Ihre Waren müssten dann als »Produktion eines ausländischen Agenten« gekennzeichnet werden.

Das ist so berechtigt wie unsinnig. McDonald's und KFC bestreiten keine Sekunde, dass sie US-Unternehmen sind, insofern gibt es da auch nichts zu entlarven. Da rennt der Abgeordnete mit seinem Antrag offene Türen ein. Andererseits meldete sich ein ebenfalls im russischen Parlament sitzender Arzt zu Wort und brachte das zutreffende Argument vor, Junkfood mache krank und sei überhaupt der letzte Dreck.

So einfach hat es der politisierende Mediziner freilich nicht formuliert. Statt dessen warf er den US-Abfüllstationen vor, die »nationale kulinarische Tradition Russlands« zu zerstören und »das russische Volk zu vergiften«. Ohne die polemischen Spitzen kann man das auch bei der Organisation »Slow Food« am Beispiel des Verhältnisses des Cheeseburgers zur italienischen Küche lesen, nur, dass die Beschwerde dort eine solide faktische Grundlage besitzt. Was dagegen die russische Esstradition angeht – mit Verlaub, Genossen: Die größte Stärke der russischen Küche sind nach Genuss auftretende Verdauungsprobleme. Salzgurken können wenig Schaden anrichten, mit den gern dazu genommenen Salzheringen sieht das schon anders aus. Aber die erfahrungsgesättigte Weisheit des russischen Volkes hat das Gegenmittel gleich mitentwickelt: 50 oder 100 »Gramm« desinfizieren alles im Magen. Da steht der Ami mit seiner Light-Bier-Plörre dumm daneben. Sa Sdorowje!


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