Aus: Ausgabe vom 25.11.2017, Seite 3 (Beilage) / Wochenendbeilage

Entschiedene Maßnahmen

Seit dem 8. November 1917 leitete Wladimir Iljitsch Lenin die Sowjetregierung, den Rat der Volkskommissare. Eine Auswahl von Anweisungen und Vorschlägen

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Am 29. Dezember 1917 (11. Januar 1918) nahm das Gesamtrussische ZEK das Dekret über den Staatsverlag an, das das zuständige Volkskomissariat zu einer umfassenden verlegerischen Tätigkeit verpflichtete, um in in großer Zahl russische Klassiker sowie Lehrbücher für das Volk herauszugeben. Buchwerbung aus den ersten Jahren der Sowjemacht.

Ergänzungen zum Entwurf eines Dekrets über die Beschlagnahme warmer Sachen für die Frontsoldaten

Ergänzen: Überschrift: … und über die Beschlagnahme von Wohnungen der Reichen zur Linderung der Not der Armen (…)

Paragraph 2 … Als Luxuswohnung ist auch jede Wohnung zu betrachten, in der die Zahl der Zimmer der Anzahl der ständig in dieser Wohnung lebenden Personen entspricht bzw. diese übersteigt.

Die Inhaber von Luxuswohnungen sind verpflichtet, unverzüglich, bei Strafe der Konfiskation des gesamten Vermögens, in zwei Exemplaren eine Erklärung vorzulegen, wieviel warme Sachen sie besitzen und wieviel sie für die Front abgeben; ein Exemplar bekommt das Hauskomitee, das andere Exemplar der Stadtbezirkssowjet der Arbeiter- und Soldatendeputierten.

Die Inhaber von Luxuswohnungen sind, bei gleicher Strafe, verpflichtet, unverzüglich denselben Stellen und ebenfalls in zwei Exemplaren eine Erklärung vorzulegen, dass von zwei Luxuswohnungen eine zugunsten der armen Bevölkerung der Hauptstadt geräumt wird (das heißt, zwei reiche Familien, die zwei Luxuswohnungen haben, verpflichten sich, in diesem Winter gemeinsam eine dieser Wohnungen zu beziehen und die andere in Anbetracht der durch den Krieg entstandenen großen Notlage der armen Bevölkerung zur Verfügung zu stellen). (…)

Geschrieben vor dem 21. November 1917. Zum ersten Mal veröffentlicht 1933 im Lenin-Sammelband XXI

Der Rat der Volkskommissare an das Revolutionäre Militärkomitee

Die Zerrüttung des Ernährungswesens, die durch den Krieg, durch die Misswirtschaft hervorgerufen worden ist, wird von Spekulanten, Marodeuren und Helfershelfern bei den Eisenbahnen, bei den Schiffahrtsgesellschaften, in den Transportkontoren usw. aufs äußerste verschärft.

In einer Zeit der größten Leiden der Volksmassen treiben diese Verbrecher, um sich zu bereichern, ihr Spiel mit der Gesundheit und dem Leben von Millionen Soldaten und Arbeitern.

Ein solcher Zustand darf keinen einzigen Tag mehr geduldet werden.

Der Rat der Volkskommissare fordert das Revolutionäre Militärkomitee (Das Revolutionäre Militärkomitee beim Petrograder Sowjet war am 25. Oktober 1917 auf Anweisung des Zentralkomitees der Bolschewiki zur Vorbereitung des bewaffneten Aufstands geschaffen worden. Dieser fand am 7. November statt. Nach der darauf folgenden Bildung der Sowjetregierung auf dem II. Sowjetkongress, des Rats der Volkskommissare, bekämpfte das Revolutionäre Militärkomitee in dessen Auftrag die Konterrevolution. Es übertrug seine Aufgaben nach und nach den neugebildeten Volkskommissariaten. Am 18. Dezember 1917 wurde es aufgelöst. jW) auf, die entschiedensten Maßnahmen zu ergreifen, um der Spekulation und Sabotage, der Verheimlichung von Vorräten, dem böswilligen Aufhalten von Gütertransporten usw. ein Ende zu machen. (…)

Der Vorsitzende des Rats der Volkskommissare

W. Uljanow (Lenin)

Veröffentlicht am 25. November 1917 in den Iswestija ZIK (deutsch: Nachrichten des Zentralen Exekutivkomitees, am 13. März in Petrograd als Organ des Petrograder Sowjets gegründete Tageszeitung, heute in privater Hand, jW) Nr. 223

Über die Aufgaben der Öffentlichen Bibliothek in Petrograd

Um an der Revolution vernünftig, sinnvoll und erfolgreich teilzunehmen, muss man lernen.

Das Bibliothekswesen in Petrograd ist, nachdem der Zarismus viele Jahre mit der Volksbildung Schindluder getrieben hat, unter aller Kritik.

Unverzüglich und unbedingt notwendig sind folgende grundlegende Veränderungen, die auf Prinzipien beruhen, die in den freien Staaten des Westens, besonders in der Schweiz und in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, längst verwirklicht sind.

1. Die Öffentliche (ehemals Kaiserliche) Bibliothek muss unverzüglich den Austausch von Büchern mit allen öffentlichen und staatlichen Bibliotheken Petrograds und der Provinz sowie auch mit ausländischen Bibliotheken (Finnlands, Schwedens und so weiter) in die Wege leiten.

2. Büchersendungen von Bibliothek zu Bibliothek müssen durch Gesetz für portofrei erklärt werden.

3. Der Lesesaal der Bibliothek muss, wie es in allen Kulturstaaten in privaten Bibliotheken und Lesesälen für die Reichen Brauch ist, täglich, einschließlich der Sonn- und Feiertage, von 8 Uhr morgens bis 11 Uhr abends geöffnet sein.

4. Die erforderliche Zahl von Angestellten ist aus den Departements des Ministeriums für Volksbildung, in denen neun Zehntel mit einer nicht bloß nutzlosen, sondern schädlichen Arbeit beschäftigt sind, unverzüglich in die Öffentliche Bibliothek zu überführen (wobei in Anbetracht der kriegsbedingten Nachfrage nach männlichen Arbeitskräften in stärkerem Maße Frauen zu verwenden sind).

Geschrieben im November 1917. Lenins Vorschläge wurden der Öffentlichen Bibliothek in Petrograd übergeben. Zuerst veröffentlicht 1933 im Lenin-Sammelband XXI

Die Texte Lenins werden zitiert nach der deutschsprachigen Ausgabe von Lenins Werken (LW) im Dietz-Verlag, Berlin 1961.

Ergänzungen zum Entwurf eines Dekrets über die Beschlagnahme warmer Sachen für die Frontsoldaten: LW, Ergänzungsband Oktober 1917 – März 1923 (Berlin 1973), Seite 2

Der Rat der Volkskommissare an das Revolutionäre Militärkomitee: LW, Band 26 (Berlin 1974), Seite 327

Über die Aufgaben der Öffentlichen Bibliothek in Petrograd: LW, Band 26, Seite 328

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Roter Oktober Beginn einer neuen Epoche der Weltgeschichte

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