Aus: Ausgabe vom 24.11.2017, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Küsst die Faschisten

Die rechte Wende | Mi., 21 Uhr, 3sat

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Demonstration der völkischen »Identitären Bewegung« am 17. Juni 2017 in Berlin

Tucholsky 1931: »Ihr müsst sie lieb und nett behandeln / Erschreckt sie nicht – sie sind so zart! / Ihr müsst mit Palmen sie umwandeln / getreulich ihrer Eigenart! / Pfeift euerm Hunde, wenn er kläfft –: / Küsst die Faschisten, wo ihr sie trefft!« Den zärtlichen Umgang praktiziert 2017 das Öffentlich-Rechtliche. Die Doku zeigt braunen Kram westdeutsch »Jebildeter«: stets mit Gott im Bunde (»der das deutsche Volk schuf«), mit Tischgebet, aber ohne Führer (der hat’s übertrieben), Hasspredigten im Strafbereich (schließlich: »Was ist Volksverhetzung im Vergleich zu Volksverrätern?«), mit Action-Mätzchen garantiert in die Medien, Totschlag anstiften und vor Kameras höflich sein. Wichtig sind allein Hajo Funkes Analysen zur Neonazistrategie: Stets als »Opfer« posieren, im Verband mehrerer Organisationen marschieren, ständig strafrechtlich relevante Widerlichkeiten von sich geben – da passiert ja nie Nennenswertes. Von Geld redet in der Doku keiner, denn: Endlich küsst sie einer. (asc)


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