Aus: Ausgabe vom 22.11.2017, Seite 9 / Kapital & Arbeit

JPMorgan gefährlichste Bank der Welt

Auch deutsches Geldhaus im Ranking der systemrelevantesten Kreditinstitute

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Einzige Superbank der Welt? Zentrale von JPMorgan Chase in New York City

JPMorgan ist in den Augen der Regulierer das für die Stabilität des weltweiten Finanzsystems bedeutendste und zugleich gefährlichste Institut. In der neuesten Liste der 30 global systemrelevanten Banken (G-SIBs) ist das US-Institut das einzige in der obersten Kategorie, wie der Finanzstabilitätsrat (FSB) am Dienstag in Basel mitteilte. Die US-Großbank muss damit 2,5 Prozent mehr Kapital vorhalten als ein »normales« Geldhaus.

Der bisher als ähnlich wichtig eingestufte US-Finanzkonzern Citigroup wird nur noch in der zweiten Kategorie geführt, die einen Kapitalaufschlag von zwei Prozent braucht. Die Citigroup steht damit in einer Reihe mit der Deutschen Bank, der Bank of America (USA) und HSBC (GB). Der FSB bewertet die Häuser nicht allein nach ihrer Größe, sondern auch nach dem Risiko, das in ihren Geschäften steckt und daran, wie vernetzt sie im Finanzsystem sind. Denn das sei entscheidend dafür, welche Folgen ihre Schieflage für die ganze Branche und darüber hinaus hätte. Die G-SIBs-Liste wird einmal pro Jahr aktualisiert.

Die französische Bank BNP Paribas wurde aus der zweiten in die dritte Kategorie der global systemrelevanten Banken zurückgestuft. Dort finden sich gleich drei chinesische Institute, zwei mehr als vor einem Jahr. Zur bereits gelisteten ICBC gesellten sich die Bank of China und die China Construction Bank. Groß waren sie immer schon, sie sind nun aber deutlich stärker mit dem internationalen Finanzsystem verwoben.

Im vergangenen Jahr ist auch die Credit Suisse für das weltweite Finanzsystem weniger wichtig geworden. Die Schweizer Großbank wird nur noch in die Kategorie mit den niedrigsten Kapitalaufschlägen eingestuft, muss damit nur noch einen Prozentpunkt mehr Kapital vorhalten als eine normale Bank, einen halben Prozentpunkt weniger als bisher. In die gleiche Gruppe ist der heimische Rivale UBS einsortiert. Neu auf der Liste der G-SIBs ist die Royal Bank of Canada, die französische Groupe BPCE wurde dagegen gestrichen.

Dem FSB gehören Vertreter von Finanzministerien, Zentralbanken und Aufsichtsbehörden der G-20-Staaten, Repräsentanten Spaniens und der Europäischen Kommission sowie Vertreter der internationalen Standardsetter und bedeutender Finanzinstitutionen (unter anderem IWF, Weltbank, BIZ, EZB) an. Im Board werden Themen von grundlegender systemischer Bedeutung für die weltweite Finanzstabilität diskutiert. Das Gremium hat seinen Sitz bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der sogenannte Zentralbank der Zentralbanken, in Basel. (Reuters/jW)

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