Aus: Ausgabe vom 22.11.2017, Seite 3 / Schwerpunkt

Ein US-Milliardär und die Friedensbewegung

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Eine Drohne gerät in falsche Hände: »Slaughterbots«

Zu Beginn der internationalen Abrüstungskonferenz vergangene Woche in Genf machten Friedensaktivisten mit einem aufwendig produzierten Video auf sich aufmerksam. Der fiktive Inhalt des Films »Slaughterbots« wurde von der FAZ (17.11.2017) so zusammengefasst: »Eine Rüstungsfirma stellt eine Miniaturdrohne vor, die sich eigenständig bewegt und Menschen mit einer Sprengladung tötet. Um sie auf ihr Ziel anzusetzen, muss der Nutzer nur Profilbilder seiner Opfer, etwa aus sozialen Netzwerken, hochladen. Den Rest erledigt die Drohne. Doch als sie in die falschen Hände gerät, erschüttert eine Serie von Morden das Land: Politiker und Schüler verlieren ihr Leben, die Täter werden nicht gefunden.«

Der hochdramatische Kurzfilm wurde vom Future of Life Institute aus Cambridge, Massachusetts produziert und von Elon Musk finanziert. Der Mitgründer des Onlinebezahldienstes Paypal, Chef der Elektroautofirma Tesla und des Raumfahrtunternehmens »Space X« ist mit einer Zehn-Millionen-Dollar-Spende der Hauptfinanzier dieses Instituts. Der Multimilliardär sieht in der künstlichen Intelligenz das größte Risiko für das Überleben der Menschheit. Der Gedanke, dass Larry Page, der Mitgründer von Google, eine Flotte von intelligenten Robotern aufbauen könnte, die in der Lage sind, die Menschheit zu vernichten, raubt ihm den Schlaf. Das verriet er seinem Biographen Jack Vance schon vor Jahren bei einem gemeinsamen Hummeressen. Zwar unterstelle er seinem Freund keine schlechten Absichten, doch »er könnte aus Versehen etwas Böses produzieren«.

Musk steckt daher viel Geld in die Technikfolgenabschätzung. »700 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser – und der sagt, die größte Gefahr sei, dass ein Terminator die Welt erobere? Das ist unmoralisch«, meint dagegen der am Oxford Internet Institute tätige Philosoph Luciano Floridi. Spekulationen über eine Machtübernahme der Maschinen seien überflüssig und unverantwortlich. Dieselben »Terminator«-Phantasien sind es, die den irrealen Kern dieser an sich begrüßenswerten Kampagne Musks gegen die Einführung autonomer Waffensysteme ausmachen. Er und andere Milliardäre aus dem Silicon Valley haben mittels der von ihnen unterstützten Institute zur Technikfolgenabschätzung einen immer größeren Einfluss darauf, welche Risiken von Medien und Politik als relevant wahrgenommen und debattiert werden. Diese Macht ist selbst eine Gefahr, die ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden muss. (thw)


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