Aus: Ausgabe vom 17.11.2017, Seite 4 / Inland

Allianz für Kohleausstieg gegründet

Weltklimagipfel in Bonn: Staatenbündnis will Abschied von dem fossilen Energieträger forcieren

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Auf der UN-Klimakonferenz in Bonn haben sich Großbritannien, Kanada und zahlreiche weitere Staaten zu einer Allianz für den Kohleausstieg zusammengeschlossen. In einer Erklärung sagen sie zu, alle »herkömmlichen« Kohlekraftwerke schrittweise vom Netz zu nehmen. Kanadas Umweltministerin Catherine McKenna betonte bei der Vorstellung des Papiers, die Kohleverbrennung sei eine wesentliche Ursache für die Erderwärmung und die Luftverschmutzung sowie durch die dadurch verursachten Krankheiten und Todesfälle. Der Rohstoff sei ersetzbar durch die Nutzung erneuerbarer Energiequellen.

Die Bundesrepublik ist nicht Teil der »Powering Past Coal Alliance«, doch mit seiner Gründung wächst der Druck auf eine künftige deutsche Regierung, die Nutzung dieses fossilen Energieträgers schnell zu beenden. Die Delegierten in Bonn beraten noch bis zum heutigen Freitag über die Umsetzung des 2015 geschlossenen Pariser Klimaschutzabkommens.

An dem Bündnis beteiligen sich auch Frankreich, Italien und die Niederlande, aber auch lateinamerikanische Länder sowie Fidschi und die Marshallinseln. Insgesamt haben sich 20 Länder sowie sechs Bundesstaaten und Städte der Allianz angeschlossen. Bis zum nächsten UN-Klimagipfel Ende 2018 im polnischen Katowice wolle das Bündnis mindestens 50 Partner vereinen, sagte die britische Energiestaatsministerin Claire Perry. Großbritannien will die Kohlenutzung nach ihren Angaben bis 2025 beenden, Kanada bis 2030, Frankreich sogar bis 2021. Der Umweltminister des Partnerlands Österreich, Andrä Rupprechter, warb dafür, auch auf die Atomkraft zu verzichten.

Derzeit beträgt der Anteil der Kohle an der weltweiten Energiegewinnung nach Angaben der Allianz fast 40 Prozent. Um den Pariser Vertrag zu erfüllen, der eine Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter vorsieht, müssten die Länder der Europäischen Union und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bis spätestens 2030 aus der Kohleverbrennung aussteigen, der Rest der Welt bis 2050. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) erklärte, die Allianz habe auch Deutschland gefragt, »ob wir da mitmachen«. Sie habe dies aber »nicht im Vorgriff auf die nächste Regierung entscheiden können«. Hendricks gab in Bonn überdies die Ratifizierung der Verlängerung des Kyoto-Protokolls durch die Bundesregierung bekannt. Die sich daraus ergebende Verpflichtung, bis 2020 seine Emissionen um 34 Prozent im Vergleich zu 1990 zu verringern, droht Deutschland allerdings ebenso wie sein selbst gesetztes Minderungsziel von 40 Prozent zu verfehlen. (AFP/jW)


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