Aus: Ausgabe vom 16.11.2017, Seite 8 / Ansichten

Selbständige des Tages: Richtige WM

Von Christof Meueler
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Kein Witz ist so hart wie das Leben. Am Dienstag konnte man auf der Quatsch-Website der-postillon.com noch von dem Plan frustrierter Fußballverbände lesen, deren Teams sich nicht für die WM in Russland 2018 qualifiziert haben und die deshalb ihr eigenes Championat ausspielen wollten: »The Real World Cup«. Mit dabei seien die Giganten Italien und Niederlande, aber auch USA, Tschechien, Ghana, Chile, Kamerun, Türkei und nicht ganz so erfolgreiche Teams wie der Vatikan, die Färöer oder Österreich – letztere sollten für die »nötige Würze sorgen«. Aus »Zeitgründen« wolle man auf eine Qualifikation verzichten.

Am Mittwoch meldete der US-Fernsehsender ESPN, dass der US-amerikanische Verband die Möglichkeit eines »Miniturniers oder einer Länderspielserie der für die WM nicht qualifizierten Topteams im Sommer« prüfe. Die Spiele könnten demnach kurz vor dem Beginn der WM in Russland (14. Juni bis 15. Juli) ausgetragen werden.

Der Postillon hatte behauptet, Ausrichter der »Real WM« seien Italien und die Niederlande und zitierte einen vermeintlichen Funktionär vom Königlichen Niederländischen Fußballbund: »Wir rechnen damit, dass unsere WM deutlich beliebter als das Konkurrenzturnier in Russland sein wird. Eine WM ohne die Niederlande und Italien ist doch ohnehin keine richtige WM. Wer schaut sich das denn an?«

Gut gegeben. Eine weitere Alternative wäre, wenn sich Italien, Niederlande und USA der tatsächlich schon existierenden WM der nicht existierenden Staaten anschließen würden, bzw. der nichtanerkannten Länder. Dazu müssten sie allerdings erst in ihre Bestandteile zerfallen, nämlich in ihre Regionen, Provinzen oder Bundesstaaten. Doch halt, »Padanien«, das reaktionäre Norditalien, ist schon dabei. Abchasien auch, oder die »Grafschaft Nizza«. Und das irakische Kurdistan. Es fehlen: Katalonien, Südhessen und Wien, 13. Bezirk – noch.


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