Aus: Ausgabe vom 09.11.2017, Seite 15 / Medien

VDZ-Präsident attackiert ARD und Co.

Rudolf Thiemann: Öffentlich-rechtliche Sender verfälschen Wettbewerb

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Verteidigt die Interessen der »Privaten«: Eingang zum Konzernsitz des Axel-Springer-Verlages in Berlin

Der neue Präsident des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), Rudolf Thiemann, hat eine deutliche Beschränkung des Internetangebots der öffentlich-rechtlichen Anstalten gefordert. Die Länder müssten über den Rundfunkstaatsvertrag sicherstellen, dass die beitragsfinanzierten Telemedien von der digitalen Presse unterscheidbar blieben und entsprechende Verbote durchsetzen, sagte Thiemann beim Auftakt des VDZ-Jahreskongresses am Montag in Berlin.

Vor Journalisten warnte er vor einer Zuspitzung des Streits. Es gebe in Deutschland keine »Staatspresse«. Allerdings verfälschten die textlastigen und presseähnlichen Inhalte der Sender den Wettbewerb im Netz zunehmend. »Wir geraten in eine Schieflage«, so Thiemann. Es gebe immer wieder »apokalyptische Visionen« der Entwicklung im Print. »Übertreibungen helfen nicht weiter«, warnte der neue Cheflobbyist auf dem Kongress.

Im Streit um die Angebote von ARD, ZDF und Co. im Netz hatte der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Mathias Döpfner, bereits in der vergangenen Woche frühere Äußerungen entschärft: »Wenn dann irgendwann quasi nur noch öffentlich-rechtliche Online-Zeitungsangebote zur Verfügung stünden, dann und nur dann würde eine Art »Staatspresse« entstehen, ein Monopol, das von zentral erhobenen Gebühren lebte und unter der Aufsicht von Politikern aller Parteien stünde«, hatte der Vorstandschef der Axel Springer SE erklärt.

Wie seine Vorgänger lehnt auch Thiemann drohende Werbeverbote sowie Pläne für mehr Datenschutz aus Brüssel ab. Die Telefonwerbung etwa sei ein wesentliches Instrument der Verlage, um Abonnenten zu gewinnen.

Thiemanns Wahl soll Ruhe in den VDZ bringen. Vor einem Jahr hatte der Großverleger Hubert Burda nach zwei Jahrzehnten im Amt nicht mehr kandidiert. Die anschließende Wahl des Mitgesellschafters der Funke-Mediengruppe (WAZ), Stephan Holthoff-Pförtner, hatte Medienberichten zufolge Irritationen unter anderem bei mehreren Hamburger Verlagshäusern ausgelöst. Die Verlage vom Spiegel, der Zeit, Gruner und Jahr sowie die Mediengruppe Medweth (Rheinfelden/Baden) traten aus dem Bundesverband aus, blieben aber Mitglied in den Landesverbänden. Thiemann sagte, er respektiere die Entscheidung, die Umstände, die Anlass für den Austritt gewesen seien, seien aber mittlerweile nicht mehr gegeben.

Im Juni hatte Holthoff-Pförtner überraschend das Amt wieder abgegeben und wurde in der neuen NRW-Landesregierung (CDU, FDP) zum Minister für Bundesangelegenheiten, Europa, internationale Beziehungen und Medien. Inzwischen ist das CDU-Mitglied nicht mehr für Medienpolitik zuständig. Thiemann, geschäftsführender Gesellschafter der Liborius-Verlagsgruppe (Hamm) und langjähriger VDZ-Vizepräsident, war am Sonntag einstimmig an die Verbandsspitze gewählt worden. (dpa/jW)


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