Aus: Ausgabe vom 08.11.2017, Seite 16 / Sport

Superclásico!

Von André Dahlmeyer

Einen wunderschönen guten Morgen! Der 8. Spieltag der argentinischen Superliga verlief für die beiden Aufsteiger unterschiedlich. Die Chacarita Juniors fuhren mit dem 2:0 Heimsieg gegen Gimnasia (La Plata) den ersten Dreier ein. Die Argentinos Juniors, ein Verein, der (neben anderen) Spielergrößen wie Diego Maradona und Juan Román Riquelme hervorgebracht hat und früher als Talentschmiede der Hauptstadt galt, trat im Stadion Centenario von Quilmes bei Estudiantes (La Plata) an, wo das Team des ehemaligen ManU-Söldners und heutigen Präsidenten von Estudiantes, Juan Sebastián Verón, den Höhenflug der Gäste mit einem 1:0 Arbeitssieg vorläufig beendete. Der »Bicho« war mit zwei Niederlagen in die neu designte Liga gestartet, hatte anschließend jedoch 13 Punkte in fünf Spielen akkumuliert, versäumte den Sprung auf Rang 3, hält sich aber tapfer auf Rang 9 (von 28), während die Platenses, einer der Motoren der letzten Saison, sich derzeit mit Rang 15 begnügen müssen.

Der Kracher des Spieltags fand im »Elefantenfriedhof« von Santa Fe zwischen Colón (Rang 6) und San Martín aus der Andenprovinz San Juan (Rang 8) statt. Nach tollem Spektakel entführten die Gäste mit dem 3:3 einen Punkt. Das absolute Überraschungsteam ist Unión de Santa Fe. Montag nacht gewann der »Tatengue« mit 2:0 im »Fortín« von Vélez Sarsfield im Speckgürtel von Buenos Aires und sprang sensationell auf Rang 2 der Tabelle. Omar De Felippe, Trainer von Vélez, trat nach dem Spiel zurück, ebenso wie Gustavo Álvarez bei Temperley (1:4 gegen Defensa y Justicia). Die Trainerköpfe rollen jede Woche, wie Kegel beim Bowling fallen, der nächste wird wohl der des Uruguayos Paolo Montero (Central) sein, der einst als eisenharter Verteidiger der Juve in der Serie A die Tifosi zu gemischtgeschlechtlichen Verbrüderungsszenen hinriss.

Im Stadion »Antonio Vespucio Libertí«, besser bekannt als Monumental von Núñez, fand der 200. »Superclásico« des argentinischen Fußballs der Profiära (also seit Anfang der 30er) zwischen River Plate und den Boca Juniors statt. Das Match hielt, was es versprach. Pablo Pérez und der Kolumbianer Edwin Cardona zogen die Fäden im Spiel der »Xeneizes«, während der »Millonario«, Gastgeber River, im defensiven Stellungsspiel erneut Unsicherheiten offenbarte. Tormann Germán Lux musste zweimal retten, dann ging Boca ein wenig der Treibstoff aus. Kurz vor der Pause, River dominierte das Spiel nun, erwies »Nacho« Fernández seiner Elf mit einem Bügeleisentritt gegen die Brust von Cardona einen Bärendienst. Die Riverplatenses waren nun dezimiert und Cardona schlenzte den Freistoß vom Halbmond um die Mauer und ins Dreieck. Ein Kunstschuss, als hätte ihn Bocas größte Vereinsikone Riquelme ausgeführt. Kurz darauf ahndete WM-Schiri Néstor Pitana ein klares Rot-Foul von Martínez (River) an Nández nicht. Nach einer Stunde erhielt dafür Cardona Rot, für einen nicht existenten Ellenbogenschlag, Leonardo Ponzio glich mit einem Weitschusshammer aus, der Uru Nahitan Nández stellte nach einem Traumpass von Pérez per Volley aus dem Strafraum den alten Abstand wieder her ehe Pitana einen regelgerechten Treffer von »Nacho« Scocco (River) nicht anerkannte.

Beim zuletzt international so erfolgreichen River Plate schrillen nun die Alarmglocken. Gerade im Halbfinale der Copa Libertadores eliminiert, liegt der »Millo« mit nunmehr zwölf Punkten Rückstand auf Boca nur auf Rang 13. Seit 2010 gelang kein Liga-Sieg mehr gegen Boca im eigenen Stadion. Da bleibt vorerst nur, sich mit dem Semifinale der Copa Argentina (am Sonntag) gegen den Drittligisten Deportivo Morón zu trösten.


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