Aus: Ausgabe vom 04.11.2017, Seite 5 / Inland

Betriebsräte wollen Klarheit

Thyssen-Krupp: Beschäftigtenvertreter sehen Fusion mit Tata weiter kritisch

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Haben die Sorge das im Zuge der Fusion mit Tata auch ihre Zukunft verkauft wird: Die Beschäftigten der Stahlsparte von Thyssen-Krupp

Zwei Jahrzehnte nach der Ankündigung des Zusammenschlusses von Thyssen und Krupp sieht der Betriebsrat des Essener Konzerns eine mögliche Fusion der Stahlsparte mit dem entsprechenden Unternehmensbereich des indischen Konkurrenten Tata weiterhin kritisch.

Während die Mitarbeiter damals einen guten Beschäftigungsschutz gehabt hätten, sei heute noch keine entsprechende Absicherung in Sicht, sagte Thyssen-Krupp-Betriebsratschef Wilhelm Segerath am Freitag der Deutschen Presseagentur. »Zur Zeit haben wir keine Klarheit«, kritisierte er. Zudem sehe der Betriebsrat derzeit keine ausreichende finanzielle Substanz in dem neuen Firmengebilde.

Vor 20 Jahren, am 4. November 1997, hatten die beiden Konzerne Thyssen und Krupp nach mehrwöchigen Verhandlungen ihre »Vollfusion« angekündigt. Zuvor waren Pläne des Krupp-Konzerns bekannt geworden, die Thyssen AG auf dem Wege einer feindlichen Übernahme zu schlucken. Im Rückblick sei es damals vor allem über die Einbindung der Beschäftigten gelungen, eine gute Lösung zu finden. »Das war der große Unterschied«, sagte Segerath. Dadurch hätte der zunächst feindliche Übernahmeversuch durch den Krupp-Konzern in einen »freundlichen« Zusammenschluss umgewandelt werden können.

Segerath kündigte für kommenden Dienstag eine außerordentliche Betriebsversammlung der Stahlsparte an, bei der man die Beschäftigten über den Stand der aktuellen Fusionsverhandlungen informieren wolle. Dabei könne es auch erneut zu Einschränkungen der Produktion kommen.

Die Führung von Thyssen-Krupp hatte bereits angekündigt 4.000 Arbeitsplätze, 2.000 davon alleine in der BRD, vernichten zu wollen. Seinen Sitz soll das Gemeinschaftsunternehmen bei Amsterdam haben, weshalb Betriebsrat und IG Metall auch den Verlust der deutschen Montanmitbestimmung befürchten. Besiegelt werden soll das Geschäft nach den Vorstellungen von Konzernchef Heinrich Hiesinger bereits Anfang 2018. (dpa/jW)

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