Aus: Ausgabe vom 17.10.2017, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Löbliche Botschaft

Tatort | So., 20.15 Uhr, ARD

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Dominik Graf, der Grimme-Preise sammelt wie andere Möbel, gehört nicht zu den schlechtesten Regisseuren für einen »Tatort«. Seine Krimis begeistern mit ihren für das deutsche Fernsehen ungewöhnlich schnellen Schnitten und schrägen Perspektiven. Graf ist ein Filmemacher, der bestens in der Lage ist, Stimmungen auszudrücken, Melancholisches, Beklemmendes. Es ist insofern ein Glück, dass das Thema »Stammheim« von ihm, dem »Hinterher-68er«, wie er sich einmal nannte, für des Deutschen Lieblingssonntagabendformat behandelt worden ist. Und auch die politische Botschaft von »Der rote Schatten« ist allemal löblich, lässt der Film doch offen, ob nicht der Geheimdienst insofern in den Tod von Baader, Ensslin und Raspe verwickelt war, als er ihn wissentlich geschehen ließ. Vor zehn Jahren wäre so etwas im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wahrscheinlich noch unmöglich gewesen. Dass man als Zuschauer leider trotzdem ratlos zurückbleibt, liegt an dem wenig realistischen Plot, der viele lose Enden aufweist. Trotzdem sehenswert. (row)


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