Aus: Ausgabe vom 17.10.2017, Seite 2 / Kapital & Arbeit

Lufthansa bietet für Alitalia

Abbau von 6.000 Arbeitsplätzen geplant. Air-Berlin-Chef sahnt ab

Von Stefan Thiel
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Nach Air Berlin geht es mit Alitalia weiter: Die Lufthansa sammelt die Überreste ihrer insolventen Konkurrenten auf

Nachdem die Deutsche Lufthansa AG erst in der vergangenen Woche zum großen Profiteur der Air-Berlin-Pleite wurde (siehe jW vom 13. Oktober), hat man nun den nächsten strauchelnden Konkurrenten im Visier. Der Konzern will einem Medienbericht zufolge 500 Millionen Euro für Teile der insolventen italienischen Fluggesellschaft Alitalia bieten. Das berichtete die italienische Zeitung Corriere della Sera am Montag.

Die Übernahmepläne enthielten zudem die Vernichtung von rund 6.000 Arbeitsplätzen bei der ehemals staatlichen Airline sowie die Streichung von Kurz- und Mittelstreckenflügen. Am Montag abend endete die Angebotsfrist für Alitalia. Der irische Billigflieger Ryanair hatte zunächst auch Interesse gezeigt, Ende September aber einen Rückzieher gemacht.

Alitalia steckt seit Jahren in der Krise, im Mai meldete das Unternehmen Insolvenz an. Die italienische Regierung will verhindern, dass die Airline mit ihren insgesamt mehr als 11.000 Beschäftigten zerschlagen wird. Um den Flugbetrieb weiter zu gewährleisten, hatte das Kabinett in Rom am Freitag beschlossen, die Laufzeit des Brückenkredits für die Fluggesellschaft zu verlängern, statt im November dieses Jahres endet sie nun im September 2018.

Währenddessen geht die Auseinandersetzung um die Zukunft der Air-Berlin-Beschäftigten weiter. Gestern nutzten etwa 300 Mitarbeiter des Unternehmens ihre Mittagspause, um in Berlin-Tegel unter anderem für die Einrichtung einer Transfergesellschaft zu protestieren. Aufgerufen zu der Aktion hatte die Gewerkschaft Verdi. Diese hatte die beteiligten Konzerne und weitere Investoren bereits am Sonntag in einer Mitteilung dazu aufgerufen, »soziale Verantwortung« zu übernehmen und »Gelder zur Verfügung« zu stellen. Von 8.000 Beschäftigten werden voraussichtlich nur bis zu 3.000 von der Lufthansa übernommen.

Zukunftsängste dürfte der bisherige Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann hingegen eher nicht haben: Dieser hatte sich laut Frankfurter Allgemeine Zeitung (Montagausgabe) bei seinem Dienstantritt Anfang des Jahres sein Gehalt durch eine Bankgarantie von bis zu 4,5 Millionen Euro absichern lassen. Somit erhält er bis Januar 2021 sein jährliches Grundgehalt von 950.000 Euro. Hinzu kommt für das erste Jahr ein Mindestbonus von 400.000 Euro.


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