Aus: Ausgabe vom 13.10.2017, Seite 5 / Inland

»Nicht für Managementfehler büßen«

Verdi fordert, schlechte Betriebsergebnisse bei Kaufhof nicht auf Beschäftigte abzuwälzen

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Filialsterben bei Kaufhof: Hier am Berliner Ostbahnhof (4. August)

Nach der Ankündigung des Kaufhof-Managements vom Dienstag, den Beschäftigten die Löhne zu kürzen, hat die Gewerkschaft Verdi am Donnerstag erste Schritte beschlossen. An etlichen Standorten sollen am heutigen Freitag bundesweit nichtöffentliche Betriebsversammlungen abgehalten werden.

Kaufhof-Arbeitsdirektor Peter Herlitzius hatte am Dienstag erklärt, ein neuer Tarifvertrag sei notwendig, um »wettbewerbsfähig« zu sein und damit die rund 21.500 Arbeitsplätze zu erhalten. Kaufhof könnte sich bei einem »Sondertarifvertrag« etwa Lohnerhöhungen aus den Tarifverträgen für den Einzelhandel ersparen sowie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld antasten.
Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger erklärte am Donnerstag: »Die Beschäftigten von Kaufhof wollen nicht für Managementfehler büßen.« Bereits seit 2015 hätten der Gesamtbetriebsrat und der Wirtschaftsausschuss des Gesamtbetriebsrats regelmäßig auf Managementfehler hingewiesen, etwa auf eine nicht erkennbare Verkaufsstrategie und eine verfehlte Rabattpolitik. »Ein Umsteuern konnten wir aber bis heute nicht erkennen«, so Nutzenberger. »Wir erwarten von Kaufhof einen klaren, tragfähigen Zukunftsplan. Kaufhof braucht überzeugende Konzepte, wie die Umsätze gesteigert werden sollen.« Mit Kürzungen bei Personalkosten bringe man das Unternehmen nicht voran.

Statt dessen müssten mehrere offene Fragen geklärt werden, etwa ob Kaufhof möglicherweise überhöhte Mieten zahle und auch, wie der kanadische Mutterkonzern Hudson’s Bay Company (HBC) sich verhalte. »Es wirft Fragezeichen auf, wenn HBC einerseits die kapitalintensive Europaexpansion vorantreibt, andererseits aber nun angeblich sowenig Geld da ist, dass man den Beschäftigten bei Kaufhof in die Tasche greifen will«, so Nutzenberger. »Die Beschäftigten sind die letzten, die auf etwas verzichten können. Sie und ihre Familien sind auf ihre Einkommen dringend angewiesen«, so Nutzenberger. Das weitere Vorgehen werde »eng mit den Betriebsräten, der Tarifkommission und den Beschäftigten abgestimmt«. (Reuters/jW)

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