Aus: Ausgabe vom 26.09.2017, Seite 1 / Ausland

Kurden stimmen über Unabhängigkeit ab

Referendum über Eigenstaatlichkeit in Nordirak. Nachbarländer schließen Grenze

Von Nick Brauns
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Werbung für Referendum: In Erbil wird für die Unabhängigkeit der Autonomen Region Kurdistan aufgerufen (24.9.2017)

In der Autonomen Region Kurdistan (ARK) im Nordirak haben die Wähler am Montag in einem von der Regierung von Präsident Masud Barsani abgehaltenen Referendum über einen unabhängigen kurdischen Staat abgestimmt. Die Demokratische Partei Kurdistans (KDP) von Barsani und die mit ihr koalierende Patriotische Union Kurdistans (PUK) hatten beide dazu aufgerufen, mit ja zu votieren. Die oppositionelle Bewegung für den Wandel (Gorran), die eine Befragung zum jetzigen Zeitpunkt abgelehnt hatte, rief ihre Anhänger zwar zur Teilnahme auf, gab aber keine Empfehlung. Mit einem ersten Ergebnis wird Dienstag abend gerechnet.

Auch in der außerhalb der ARK im Nordirak gelegenen erdölreichen Provinz Kirkuk, fand das Referendum statt. Dort bildeten sich in den kurdischen Stadtvierteln lange Schlangen vor den Wahllokalen, meldete die Nachrichtenagentur Firat. Dagegen boykottierten Araber und Turkmenen, die rund die Hälfte der Bevölkerung der Stadt stellen, die Abstimmung.

Die Regierungen des Irak, der Türkei und des Iran kündigten »koordinierte Maßnahmen« gegen Erbil an. Der irakische Vizeministerpräsident und Vorsitzende der schiitischen ­Dawa-Partei, Nuri Al-Maliki, nannte das Referendum eine »Kriegserklärung gegen die Einheit der Völker des Irak«. Das Parlament in Bagdad beschloss am Montag, die Außengrenzen der ARK zu schließen.

Iran hatte bereits am Sonntag den Luftraum für Flüge von und nach Kurdistan sowie die Grenzübergänge in die nordirakische Autonomieregion gesperrt. Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kündigte eine Grenzschließung an. Sein Außenminister Mevlüt Cavusoglu drohte am Montag in einem Fernsehinterview mit einem militärischen Einmarsch in das Nachbarland, sollten Turkmenen bedroht werden.

Beistand im Falle eines Angriffs kündigte unterdessen die Kovorsitzende des Rates der Demokratischen Föderation Nordsyrien, Hediye Yusuf, an. Auch die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) hatte erklärt, im Falle eines militärischen Angriffs auf die Kurden im Nordirak mit ihrer Guerilla zur Verteidigung bereitzustehen.


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