Aus: Ausgabe vom 25.09.2017, Seite 16 / Sport

Die Wahrheit über den 6. Spieltag

Von Klaus Bittermann
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Gut am wirbeln: Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang (l.) trifft zum 5:0 gegen Mönchengladbach

Die Bayern haben das Kunststück vollbracht, gegen die derangierten Volkswagenwölfe zu Hause nur ein 2:2 zu erreichen, und das nach einer 2:0 Pausenführung. Auch wenn mit dem ehemaligen Mainz-Trainer Martin Schmidt seit kurzem ein neuer Besen kehrt, hat sich an der pomadigen Spielweise der Wolfsburger wenig geändert, weshalb dieses Ergebnis wirklich überraschend war. Vielleicht brachten sich die Münchner auch für ihr Champions-League-Spiel gegen Paris in Stellung, weshalb sich niemand mehr so richtig auf Wolfsburg fokussieren mochte, denn wer will sich schon mit einem potentiellen Absteiger beschäftigen? Auch Paris hat vor dem Treffen am nächsten Mittwoch nur ein torloses Remis geschafft, und das ist etwas wenig bei einem Dreimannsturm, der etwa 250 Millionen Euro gekostet hat (und da ist der verletzte Neymar nicht einmal eingerechnet). Dortmund nahm sich die Münchner nicht zum Vorbild, sondern demonstrierte beim 6:1 gegen Gladbach zur Freude der Fans, wie man den momentan besten Fußball der Bundesliga bietet. Obwohl Trainer Peter Bosz das Mittelfeld vollkommen austauschte und es mit Mario Götze, Mahmoud Dahoud und Julian Weigl neu zusammensetzte. Der zuletzt auftrumpfende Flügelstürmer Andrij Jarmolenko wurde für Madrid geschont, aber der Ex-Freiburger Maximilian Philipp bildete mit Pierre-Emerick Aubameyang ein Traumduo, das die Gladbacher ziemlich durcheinanderwirbelte. Auch Christian Pulisic auf der anderen Seite lief den Fohlen ein ums andere Mal davon.

Trotz des Dortmunder Offensivfeuerwerks hatten die sehr defensiv auftretenden Gladbacher die erste hundertprozentige Chance. Weitere kamen hinzu, aber Gladbach machte aus den vier oder fünf hochkarätigen Möglichkeiten nur ein Tor. Eigentlich kein guter Schnitt für den BVB, wenn er sich weiterhin an der Spitze halten will, denn vor allem Champions-Lea gue-Gegner Real Madrid wird am nächsten Dienstag solche Gelegenheiten besser zu nutzen wissen. Auch die Westfalen verwerteten nicht jede Chance, und wenn dem sensationell aufgelegten Gladbacher Torhüter Tobias Sippel nicht einige Glanzparaden gelungen wären, hätte Dortmund auch zweistellig gewinnen können. Der BVB umkreiste den Gegner wie ein lauerndes Raubtier, um dann immer wieder mit steilen Pässen und präzisen Flanken blitzschnell zuzustoßen. Aubameyang auf Philipp, Philipp auf Aubameyang, Götze auf Aubameyang, Sokratis auf Aubameyang. Der Mann mit den wenigen Ballkontakten konnte sich diesmal nicht beschweren, und er dankte es seiner Mannschaft mit drei Toren. Bayern-Mann Robert Lewandowski wird vor Ärger bald an einem Magengeschwür leiden, weil sein mühsam erarbeiteter Vorsprung in der Torschützenliste wieder zunichte gemacht wurde. Es war wieder einer dieser magischen Abende, von denen Dortmund früher einmal mehr geboten hat. Bei den Neueinkäufen hat Sportdirektor Michael Zorc wieder ein gutes Händchen bewiesen, denn Jarmolenko und Philipp, die mit den Dembélé-Millionen finanziert worden waren, haben den französischen Ausnahmespieler schnell vergessen lassen. Der hat sich in Barcelona inzwischen einen Muskelfaserriss zugezogen, weshalb man ihn in diesem Jahr leider nicht mehr auf dem Platz sehen wird.

Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann konnte sich mit seinem Team gegen Schalke unter Domenico Tedes­co, seinem alten Klassenkameraden von der Hennes-Weisweiler-Akademie in Hennef, behaupten. Jetzt sitzt die TSG dem BVB mit nur zwei Punkten Rückstand im Nacken. Auch Leipzig profitierte vom Münchner Ausrutscher und vermochte sich mit einem kaum verdienten Sieg gegen Frankfurt nach vorne zu robben.

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